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Lage der Buchverlage:Auf die billige Corona-Tour

Im Beitrag "Lesen mit Lasten" (15. Mai) über die Lage der Buchverlage ist mir die Ankündigung von Hanser-Verleger Jo Lendle, "wir erwarten einen extrem starken Herbst", recht sauer aufgestoßen. Neben anderen Verlagshäusern gehört zu Hanser seit 2010 auch Henrich Publikationen in Gilching mit rund 40 Mitarbeitern und sieben technischen Fachmagazinen. Ich selbst bin dort seit 21 Jahren Redakteurin. Am 11. Mai haben wir bei Henrich alle eine Kündigung bekommen, da der Betrieb zum 30. September 2020 stillgelegt wird. Eine Variante, die weder einen Sozialplan noch Abfindungen vorsieht.

Wenn also in Bogenhausen auf den starken Herbst angestoßen wird, machen wir in Gilching das Licht aus. Da zeigt sich wieder einmal, dass nicht nur beim Schach der Bauer geopfert wird, damit die anderen noch größere Sprünge machen können. Meinen herzlichen Glückwunsch an die Geschäftsleitung! Ich bin mir sicher, die Herren schlummern weiterhin gut - haben sie doch in den letzten Jahren alle Warnsignale und Hinweise ihrer Mitarbeiter verschlafen. Für manche ist Corona eben ein Geschenk des Himmels und die perfekte Möglichkeit, billig Mitarbeiter loszuwerden. Sabine Langer, München

© SZ vom 12.06.2020
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