bedeckt München
vgwortpixel

Label "Livalike":Papiertaschen für Mode-Puristen

Taschenlabel Livalike von Designerin Claudia Santiago Areal

Schreinerin, Innenarchitektin, Designerin: Claudia Santiago Areal betreibt das Label "Livalike".

(Foto: Corinna Guthknecht)

Zeichnen, falten, nähen: Claudia Santiago Areal entwirft mit "Livalike" haltbare Unikate

Geht es um Papier, spricht Claudia Santiago Areal schneller, die Worte purzeln nur so aus ihr heraus: Das Besondere, sagt die Designerin, sei seine Veränderbarkeit. Man könne es schneiden, falten, knicken. Und jede neue Falte, jeder neue Knick hinterlasse Spuren. Sie fertigt daraus Taschen und jede erhält durch die Bearbeitung einen eigenen Charakter. "Sie altert in Würde."

Livalike heißt das Label der Münchnerin, die sich mit ihren von Hand genähten Taschen an ein Material herantraut, das nun nicht gerade im Ruf steht, strapazierfähig zu sein. Bevor aber Verwirrung aufkommt: Diese Taschen sind mehr High Fashion als Supermarkt. Die Kombination von modernem Design und Nachhaltigkeit in der Wahl des Materials brachte Santiago Areal in diesem Jahr bereits einen German Design Award ein - eine Auszeichnung, die der sogenannte Rat für Formgebung in mehreren Kategorien vergibt. Santiago Areal beugt sich in ihrem Ladenatelier in Neuhausen über ihren Arbeitstisch, ihre Finger gleiten durch einen Fächer mit Mustern. Steingraue, beige und schwarze Streifen, rote, goldgelbe und petrolfarbene, die bunten färbe sie selbst, sagt Santiago Areal. Es sind handgefertigte Kunstwerke aus Papier, die es optisch locker mit jeder Ledertasche aufnehmen können.

Wer die Innenarchitektin und Produktdesignerin besucht, der darf ihre Papiertaschen erst einmal ausgiebig streicheln. Ihre Taschen sind geschmeidig, weisen Wasser ab, können sogar in die Waschmaschine. Santiago Areal, die ihren Nachnamen einem portugiesischem Ehemann verdankt, verwendet natürlich nicht irgendein Papier. Sie hat lange gesucht, bis sie mit "Texon Vogue" ein Material aus der Bekleidungsindustrie auftat, das leicht war und zugleich robust. Mehr als ein Jahr dauert die Suche, Santiago Areal kaufte in dieser Zeit so ziemlich alles aus Papier, was ihr begegnete. Papiersorten, die angeblich reißfest sind. "Zu Hause habe ich's dann erst einmal zerrissen", erzählt sie und lacht ihr lautes, herzliches Lachen. Nun gibt es ja Taschen bekanntermaßen ja in unzähligen Ausführungen: Clutches, Henkeltaschen, Umhängetaschen, kleine Taschen für die Oper und große Taschen für den Wochenendtrip, und auch diese bunten, kastenförmigen Nylonrucksäcke, gegen die vor allem junge Münchnerinnen vor einigen Jahren im großen Stil ihre Handtaschen eintauschten, halten sich recht gut am Markt. Trotzdem stehen die Chancen für Santiago Areals Modelle gut: Denn Mode, für die kein Tier seine Haut lassen muss, die findet im grünen München ihre Abnehmer. Unter Münchnern mit einem Faible für Puristisches werden die Taschen mit den geometrischen Formen und den Nähten an der Außenseite als Tipp gehandelt.

Santiago Areal ist in Laufen aufgewachsen, an der Grenze zu Österreich. Sie sei gewissermaßen in einer Werkstatt groß geworden, erzählt sie. Die Mutter sei Schneiderin gewesen, der Vater freischaffender Künstler. Und da dieser mit 22 Jahren seinen rechten Arm verloren habe, hätten sie und ihre Brüder ihm bereits als Kinder in der Werkstatt geholfen. Bleche walzen, Steine fassen, Leinwände aufziehen. Später macht sie selbst eine Schreinerlehre und zieht nach München, um an der Akademie der Bildenden Künste Innenarchitektur zu studieren. Später entwirft sie Möbel, heute unterrichtet sie "Gestaltung und Konstruktion" an der Meisterschule für das Schreinerhandwerk in München - und sie designt die Taschen. Santiago Areal fertigt ausschließlich auf Bestellung, sie probiert gerne Neues aus, und wenn sich eine Idee mal nicht realisieren lässt, dann geht die Welt auch nicht unter. Wie ein unvollendetes Kunstwerk wartet in ihrem Ladenatelier eine rechteckige Tasche mit einer kreisrunden Öffnung als Henkel darauf, dass ihre Fäden vernäht werden. Sie hält die Tasche hoch, dreht sie nach links, nach rechts. Meistens nehme sie die Arbeit an der Tasche nach einer Weile wieder auf, sagt sie. "Und manchmal lasse ich es auch ganz."