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Kunst in Bayern:Sibler und Söder bremsen die Kultur aus

Steht gemeinsam mit Markus Söder in der Kritik, zu wenig echte Hilfe für die Kunst anzubieten: Bayerns Kunstminister Bernd Sibler.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Kritiker schimpfen auf zu komplizierte Hilfen, die nicht ankommen. Und verweisen auf Nachbarländer mit gefüllten Konzertsälen

Interview "Kreativer Kampf" vom 26. Juni mit Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler sowie "Was möglich ist" vom 25. Juni über ein Konzert der Münchner Philharmoniker vor wenig Publikum:

Dröge statt kulturaffin

Vielen Dank für das hervorragende Interview mit Staatsintendant Bachler, das Egbert Tholl geführt hat. Das Elend der bayerischen Corona-Kulturpolitik wird hier gut auf den Punkt gebracht. Auch in den letzten Tagen hat Herr Tholl die unsinnigen, Kultur zerstörenden Regelungen zu Recht immer wieder in seinen Beiträgen angesprochen. Ich kann nur an die Süddeutsche appellieren, die verantwortlichen Politiker in Interviews zu Lockerungsmaßnahmen im Kulturbereich zu drängen beziehungsweise sie endlich, endlich mal eindringlich zu Plänen und Perspektiven zu befragen.

Bei den Herren Sibler und Biebl ist die Kunst und Kultur definitiv nicht in guten Händen (gemeint: Bayerns Kunstminister Bernd Sibler und Münchens Kulturreferent Anton Biebl; d. Red.). Dröge Verwaltungsbeamte, ganz offensichtlich ohne jeden Bezug, Interesse oder Engagement für ihr Ressort. Auch deren Chefs (Ministerpräsident Söder oder der von Ihnen stets hochgelobte OB Reiter) sind alles andere als kulturaffin. Für Reiter bedeutet Kultur wohl, dass er ab und an öffentlich seine Gitarrenkünste vorführt. Herrn Söder unterstelle ich jetzt mal, dass er ebenso wie sein Kabinett vermutlich heilfroh ist, dass ihm dieses Jahr dank Corona der Besuch einer Vorstellung in Bayreuth erspart bleibt. Bitte SZ - kämpft endlich eindringlich als wichtigste Tageszeitung Bayerns für Kultur und Kunst! Vera Deininger, München

Gebt Bayern die Kultur zurück!

Der Forderung von Intendant Nikolaus Bachler "Gebt uns unser Haus zurück" kann ich mich nur anschließen: Gebt der bayerischen Bevölkerung die Kultur zurück! Leider reagieren Ministerpräsident Söder und Kultur-Wissenschafts-Minister Sibler völlig ignorant und arrogant. Ein Blick über die Grenzen nach Österreich und die Schweiz zeigt, dass es auch anders geht. Dort sind Kulturveranstaltungen ab September (innen!) mit bis zu 1000 Besuchern erlaubt. Vielleicht mal ein Denkanstoß für unsere kulturfremden Politiker in Bayern. Dr. Axel Schertel, Wertingen

Dringend nachbessern

Egbert Tholl hat leider nur zu recht mit seiner pointierten Erkenntnis, Bayern verfüge "über den für die Kunst offenkundig nutzlosesten Kunstminister aller Bundesländer". Ob das wohl daran liegt, dass kein anderes Bundesland eine CSU hat? Jedenfalls zeigt sich das längst nicht nur bei den extremen Restriktionen, die Bernd Sibler für das Konzert der Münchner Philharmoniker verfügt hat. Seit Anfang März wirft sich die Staatsregierung, Ministerpräsident voran und Kunstminister mit dabei, immer wieder über "Hilfen für Soloselbständige" in die stolzgeschwellte Brust, diese seien effizienter und größer als in allen anderen Bundesländern, wir kennen diesen Spruch mit vielen Facetten. Teils bis heute kommen die Überlebenshilfen bei den Künstlern aber nicht an - wegen unrealistischer Vorgaben für die Auszahlung, fehlender Antragsformulare über eineinhalb Monate hinweg, und so weiter. Nun ist er also wieder stolz, weil erste Pflänzchen eines Kunstbetriebs sich regen können, aber die von Egbert Tholl beschriebenen Bedingungen scheinen wirklich deutlich übertrieben. Um richtig verstanden zu werden: Es ist absolut unerlässlich, bei kulturellen Veranstaltungen die Grundregeln über Abstand und Hygienebedingungen einzuhalten; dass diese Regeln in Flugzeugen immer noch sträflich lax gehandhabt werden dürfen, ist ein massiv abschreckendes Gegenbeispiel, eine Folge des Einknickens der Politik vor einer massiv auftretenden Wirtschaftslobby und deshalb absolut kein Vorbild für den Kunst- und Kultursektor. Aber eine knapp über zehnprozentige Auslastung eines sehr großen Saales zeigt nur, wie wenig ernst der Minister und das ganze Kabinett die Existenzgefährdung der Künstler und Veranstalter nehmen. Deshalb muss dringendst nachgebessert werden für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen notwendiger Vorsicht und unter diesem Aspekt möglicher Öffnung! Sehr hohes Lob dagegen für die Philharmoniker und die Solisten des Abends! Friedrich-Karl Bruhns, München

© SZ vom 07.07.2020
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