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Kontakt zum Meer:Einfach mal abtauchen

Der Paläontologe und Tiefseeforscher Gert Wörheide von der Ludwig-Maximilians-Universität hat "lebende Fossilien" in Australien entdeckt

Sie haben einen gemeinsamen Blog geschrieben, damals, auf ihrer großen Tiefsee-Expedition "Deep Down Under", ins Osprey Reef. Ein Logbuch wie von Vasco da Gama oder Jacques Cousteau. Am 18. Dezember 2009 steht da: "Wider Erwarten war die Überfahrt vom Bougainville Reef zum Great Barrier Reef recht ruhig, die See kam von achtern, wir rollten ein wenig, aber nicht zu vergleichen mit der vorausgegangenen Nacht. Alle schliefen selig, bis uns gegen sechs Uhr wie gewohnt das Setzen des Ankers aus den Träumen riss."

Es ist der vorletzte Tag der Reise, die Experimente sind beendet, jetzt geht es ans Einpacken. Der Abschied naht, vom Meer, von den Freunden, von den grandiosen Sonnenuntergängen im Südpazifik. Hunderte von Proben haben sie gesammelt, Steine, Schwämme, Korallen, Muscheln - Zeugen eines komplexen und bedrohten Ökosystems. "Diese Reise war fantastisch", sagt Professor Gert Wörheide vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) rückblickend, "niemand zuvor hatte die tieferen Bereiche des Osprey Reefs so ausführlich erforscht". Nach sechs Jahren Auswertung haben die Münchner nun einen weiteren Teil ihrer Ergebnisse veröffentlicht, und sich damit in die Geschichte der australischen Meeresforschung eingeschrieben.

800 Meter tauchte der Roboter ins Meer hinab, den Forscher blieb nur zu warten

Das Osprey Reef erhebt sich auf dem Queensland Plateau vor der Nordostküste Australiens. 1500 Meter steigt es vom Meeresgrund steil empor. Wegen seiner farbenprächtigen Korallen und seinem Fischreichtum ist es ein beliebtes Ziel für Taucher. Aber die sehen nur einen kleinen Teil der Unterwasserwelt. In der Tiefe finden sich einzigartige Lebensgemeinschaften, die dort zum Teil seit Jahrmillionen überlebt haben. Gert Wörheide und sein Team, bestehend aus Forschern des Naturkundemuseums Berlin, der Universität Göttingen und der australischen James Cook Universität, haben diese Welt nun erstmals dokumentiert.

Gert Wörheide, Direktor des Paläntologischen Museums und der dazugehörigen Staatssammlung neben Aquarium mit Korallen

Gert Wörheide ist Inhaber des Lehrstuhls für Paläontologie und Geobiologie der LMU und Direktor der Staatssammlung für Geologie und Paläontologie.

(Foto: Florian Peljak)

Einen Tauchroboter schickten sie bis in 800 Meter Tiefe hinab, und dann hieß es oft tagelang: warten. "Das kann ganz schön anstrengend und langweilig sein, wenn man stundenlang in der Hitze unter Deck sitzt und auf den Monitor starrt, in der Hoffnung, dass die Kamera irgendetwas wissenschaftlich Interessantes erspäht", sagt Wörheide. Man stellt sich das so lässig vor, mal kurz ins Wasser springen, einen Sundowner vor dem Abendessen mit frischem Fisch, tropisches Farbenspiel als Kulisse . . . Doch davor gibt es harte Arbeit. Zigmal ging der Roboter kaputt, die Crew musste improvisieren oder auf Ersatzteile warten. Manchmal hatten sie etwas entdeckt, einen prächtigen Nautilus, einen seltenen Schwamm, "dann war er plötzlich wieder verschwunden". Höchst ärgerlich. Doch dann gab es immer wieder Überraschungen, die das Herz eines Wissenschaftlers höher schlagen lassen.

"Die meisten Leute denken, man kennt schon alles, aber das ist weit gefehlt", sagt Wörheide. Wurmschnecken, Krustentiere, Igelwürmer und Seegurken haben sie bei ihrer "Deep Down Under"-Expedition gefunden. Glasschwämme, filigrane Seelilien, glutrote Bambuskorallen, goldglänzende Chrysogorgiakorallen, die noch nie zuvor im tropischen Australien nachgewiesen wurden. Darunter "lebende Fossilien", die sich seit Millionen von Jahren kaum verändert haben und wertvolle Aufschlüsse über die Evolution der Meeresbewohner liefern. Und über ihre Bedrohung.

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