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Kommentar:Einfach muss es sein

In München sind immer mehr ältere Menschen arm. Wer ihnen helfen will, muss dies möglichst unbürokratisch tun. Ein gutes Beispiel dafür sind die Mittagstischangebote in Alten- und Servicezentren. Ein noch unausgegorenes Beispiel sind die angedachten Gutscheine für Putz- und Einkaufshilfen

München ist eine ziemlich junge Großstadt. Der Altersschnitt liegt hier wegen der vielen Studenten und der jahrelangen Rekorde bei den Geburten mit 41,2 Jahren drei Jahre unter dem Bundesdurchschnitt. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der älteren Münchner deutlich wächst und mit ihr auch die Zahl derer, die im Alter finanziell nicht mehr oder kaum über die Runden kommen. Bereits jetzt lebt jeder sechste Münchner Senior über 65 in relativer Armut. Seit Jahren baut die Stadt deshalb die Angebote für ältere Münchner aus, die sich nicht mehr viel leisten können. Jetzt soll der Stadtrat noch einmal nachlegen und jährlich knapp viereinhalb Millionen Euro zusätzlich zu den bisherigen Leistungen bewilligen. Damit soll allen älteren Münchnern geholfen werden, auch mit wenig Geld am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Eine gute Sache.

Dass die Angebote nötig sind, zeigen die kostenlosen Mittagstisch-Angebote für weniger betuchte Menschen in den Alten- und Servicezentren: In einigen Stadtvierteln kommen bereits jetzt so viele Menschen, um mit anderen eine kostenlose oder sehr günstige Mahlzeit zu erhalten, dass bald der Platz nicht mehr ausreicht. Da sich das Angebot mittlerweile herumgesprochen hat, schauen auch Menschen in den Servicezentren vorbei, die dort sonst nicht hingegangen wären. Das ist wichtig: Denn gerade im Alter vereinsamen viele Menschen, sie verlassen kaum noch ihre Wohnungen und können so überhaupt nicht von den vielen Hilfs- und Freizeitangeboten profitieren, die es in München speziell für Senioren gibt.

Ein geplantes neues Angebot ist zum Beispiel die Unterstützung im Haushalt. Wenn es nach der SPD geht, sollen Senioren mit wenig Geld bei Bedarf regelmäßig Putz- und Einkaufshilfen bekommen. Das klingt gut, ist aber noch unausgegoren. Denn geplant ist ein System mit Gutscheinen, die sich ältere Menschen in Seniorenzentren abholen können. Das ist kompliziert und bürokratisch, die Gutscheine sollen zudem nur ein Zuschuss für die Putzhilfe sein. Gerade ältere Menschen brauchen aber ganz einfache Lösungen. Sonst wird ein Angebot nicht genutzt und die Idee der SPD, die nun im Stadtrat behandelt wird, verpufft wirkungslos.