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Kommentar:Echter Wagemut geht anders

München, so heißt es oft, traut sich zu wenig Verrücktheiten zu. Da wirkt die Idee eines Weltcup-Rennens am Olympiaberg auf den ersten Blick sympathisch. Aber sie ist trotzdem falsch

Menschen, die mit München hadern, werfen der Stadt ja gerne ihre Kleingeistigkeit vor. Das Münchner Mittelmaß. Den fehlenden Mut. Zu spektakulärer Architektur beispielsweise, mit gewagten Bauwerken, schwindelerregend hohen Hochhäusern etwa. Oder zu mehr Lässigkeit, einer Kultur des Wagens und Scheiterns, das Stichwort Berlin fällt dann gerne. Oder auch zu mehr politischer Unkorrektheit, einfach mal etwas zu machen, das jeder Gutmensch verteufeln muss. Zum Beispiel: Ein Skirennen mitten in der Stadt mit künstlich hergestelltem oder aus Skigebieten herbeigeschafftem Schnee.

Mit dem fehlenden Mut zu Außergewöhnlichem argumentieren auch manche Fans des Neujahrs-Slalom-Weltcups, der in den vergangenen Jahren im Olympiapark stattfand (oder zumindest stattfinden sollte), wenn sie die Veranstaltung verteidigen. Es ist aber das falsche Beispiel für diese in anderen Punkten durchaus berechtigte Debatte. Das Skirennen mitten in der Stadt ist ja nicht zufällig in der Mehrzahl der Fälle gescheitert an der simpelsten möglichen Ursache. Es gab keinen Schnee und es war zu warm. Zur Erinnerung: Weihnachten 2012 wurden in München mittags 20,7 Grad gemessen. Weiße Weihnachten gab es in den vergangenen Jahren im deutschen Süden selten. Und wer beim Skifahren in den Alpen den Schneekanonen-Aufrüstungswettbewerb der Liftbetreiber sieht, weiß, wie diese um ihre Zukunft bangen müssen.

Der Olympiapark hat etwa mit dem Munich Mash eine Veranstaltung gefunden, die mit Skatern und anderen verrückten Sportlern Publikum lockt und die funktioniert. Auch für das neu hinzukommende Beachvolleyball-Event gilt das. Für den Ski-Weltcup aber nicht. Deshalb ist es richtig, davon zu lassen. Es gibt bessere Gelegenheiten und Projekte, mehr Wagemut zu zeigen.