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Kommen & Gehen:Lust, sich auf München einzulassen

Tanja Widmann ist von Wien an die Kunstakademie gekommen, um hier zu unterrichten. Ihr Ziel: Sie will über die üblichen Ausstellungsformate hinaus in der Stadt sichtbar werden

Offen für München: Tanja Widmann ist in der Nähe von Villach aufgewachsen, zuletzt hat sie in Wien gelebt.

(Foto: Kilian Blees)

Tanja Widmann empfand den Einstieg an der Kunstakademie als "sehr intensiv" und denkt dabei an die Arbeit in der Klasse für Kunstpädagogik, die sie leitet, und in den diversen Gremien. Die Professorin ist im Sommer von Wien nach München gewechselt. Als Kunstschaffende beschäftigt sie sich viel mit Sprache und dem Format des Witzes. Sie untersucht etwa, wie sich Sprache durchs Internet, in Zeiten von sozialen Medien verändert, auch comichaft wird. In ihren Installationen arbeitet sie mit Dingen des Alltags, mit Videos, Malerei und Musik.

SZ: Was hat München, was Ihr voriger Wohnort nicht hat?

Tanja Widmann: Ich denke da sofort an das Maria-Einsiedel-Bad mit seinem wunderbar kalten Isararm, in dem man ausdrücklich nur auf eigene Verantwortung eintaucht. Das ist ein Ort, der mich in den sehr heißen Wochen glücklich gemacht hat. Überhaupt die Isar mit ihren ganzen Möglichkeiten mitten in der Stadt, das gibt es in Wien so nicht.

Was war Ihr erstes prägendes Erlebnis in München?

Das liegt schon zwei Jahre zurück. Ich hatte damals zusammen mit Tonio Kröner eine Reihe im Museum Brandhorst mit dem Titel Postapokalyptischer Realismus veranstaltet. Das Publikum war sehr interessiert, es entstanden gute Diskussionen. Und dann gab es einen Abend, an dem wir den DJ Juan Atkins zu einem Vortrag eingeladen hatten und die Veranstaltung im Harry Klein, einem Münchner Club, fortsetzten. Diese Öffnung in die Stadt hinein, war ein toller Moment. Ohne diesen Einstieg damals, hätte ich München vielleicht nicht im Blick gehabt.

Dann wären Sie vielleicht nicht gekommen, eventuell weil Sie Vorurteile haben - welches würden Sie gern widerlegen?

All die Geschichten von krass überhöhten Mietpreisen in München hätte ich sehr gern als Vorurteil widerlegt. Aber die Relationen hier sind tatsächlich absurd. Da muss man sich fragen, was das mit dem urbanen Leben macht, und warum sich die Stadtpolitik nicht besser darum kümmert.

Wen wollen Sie in München unbedingt kennenlernen?

Da gibt es keine konkreten Vorstellungen, ich bin da offen. Zudem gibt es hier ja auch ein Kommen und Gehen. Einige sind selbst gerade erst in der Stadt gekommen, wie etwa die neue Direktorin des Münchner Kunstvereins. Das interessiert mich klarerweise, weil ich der Geschichte des Kunstvereins verbunden bin.

Kommen & Gehen

Mit jedem Menschen, der zuzieht, verändert sich die Stadt. Und auch mit jedem Menschen, der München verlässt, verliert die Stadt ein Stück Identität. Wir stellen sie vor.

Wenn Sie an München denken, welche drei Adjektive fallen Ihnen auf Anhieb ein?

Grün, entgegenkommend, und vielleicht: öffentlich. Es ist auffallend, dass es hier noch viele öffentliche Plätze gibt, die tatsächlich als solche genutzt werden. Der Odeonsplatz zum Beispiel, der Englische Garten oder der Hofgarten, die Isarauen. In Wien wird der gesamte öffentliche Raum zunehmend nur noch kommerziell genutzt.

Wären Sie gerne zu einer anderen Zeit nach München gekommen und warum?

Vielleicht Anfang oder Mitte der Siebzigerjahre. Denn ich hätte das Anti-Theater von Fassbinder, Fassbinder selbst und seine Theater- und dann Filmgruppe gerne getroffen und erlebt. Die Logik der Gruppe, die Frage der Sprache - mich interessiert, wie man das mit den Fragestellungen der Gegenwart verknüpfen kann.

Welche Spuren möchten Sie in München hinterlassen?

Ich möchte, dass die Arbeit in der Klasse nach außen sichtbar wird. Ich könnte mir Kooperationen mit anderen Institutionen der Stadt vorstellen. Es wird ein bisschen dauern, aber ich will sichtbar in der Stadt vorhanden sein über die üblichen Ausstellungsformate hinaus. Ich habe wirklich Lust, mich auf München einzulassen.