Kolumne: After Eight Kontolle oder Schikane?

Diese Gruppe von Aktionskünstlern, die sich für Projekte im öffentlichen Raum einsetzen (sie organisieren unter anderem den Kulturstrand an der Corneliusbrücke), haben mit viel Herzblut und Liebe die temporäre Bar Die Repüblik in der Ursulastraße 6 in Schwabing ins Leben gerufen.

Die Location ist ein ehemaliges Architekturbüro, das sich in einem Gebäude befindet, das demnächst abgerissen und durch eine Luxuswohnimmobilie ersetzt werden soll. Klar, durch was denn auch sonst in München? Doch eine solche Zwischennutzung in München durchzusetzen, scheint härter zu sein, als für die CSU den Posten des Oberbürgermeisters zu übernehmen.

Zuerst muss in solchen Fällen eine Nutzungsänderung durchgebracht werden. Die LBK fordert oft auch bauliche Maßnahmen. Zudem tritt das KVR auf den Plan mit allerlei Gewerbevorschriften wie Brandschutz, Hygienevorschriften, Lärmschutz. Bevor in München jemand eine gaststättenrechtliche Erlaubnis bekommt, wird sowohl er als auch sein Unterfangen auf Herz und Nieren geprüft. Wäre man jetzt pessimistisch-sarkastisch veranlagt, könnte man das durchaus als Schikane interpretieren. Die Repüblik jedenfalls muss bislang täglich um 23 Uhr schließen.

Kein Wunder, dass in unserer Stadt deshalb vieles unter dem Deckmantel von Kunst und Kultur passieren muss. Wer nämlich in einer Kunstgalerie eine Vernissage-Party feiert, betreibt dies als Privat-Event. Und solange dies ohne gewerbliche Gewinnerzielung geschieht, interessiert sich das KVR nicht dafür.

Was auch immer der Grund dafür ist, dass sich in letzter Zeit Feiern, Kunst und Shopping in München so genial vermischen: Diese neue Art von Nachtkultur bringt endlich die gewünschte Abwechslung in das oft stromlinienförmige Münchner Nachtleben. Vielleicht waren damals die Flohmärkte in Riem oder im Kunstpark Ost schon eine Art Vorreiter für diese neue Mischform von Kunst und Kommerz. Dort stolperte man morgens von der After-Hour direkt zu den Verkaufsständen - und wunderte sich am darauf folgenden Tag, was man wieder für einen Schmarrn gekauft hatte.

Den nächsten nächtlichen Flohmarkt in der Kongresshalle gibt es übrigens am 14. Februar. Auch die Tonhalle in der Kultfabrik zieht nach und macht am 19. Februar einen sogenannten "Nachtkonsum". Und ein weiteres Highlight dürfte das Event "Buy or Cry" werden, bei dem von Donnerstag bis Sonntag 50 junge Labels und Münchner Modemacher ihre Klamotten in der Off-Location der Ex-BMW-Niederlassung verkaufen.

Da kann man nur sagen: Macht's nur so weiter!

Die Kolumne "After Eight" erscheint jeden Donnerstag auf "München Extra", dem Stadtportal von sueddeutsche.de.

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