Klinikviertel Mehr als nur ein Unterposten

Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor des Klinikums der LMU (links), und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle beim Spatenstich.

(Foto: Schellnegger)

Die neue Portalklinik der LMU, für die jetzt der Spatenstich erfolgte, ist nur der Anfang: Die universitäre Medizin in München steht vor einem Umbruch

Von Stephan Handel

Normalerweise wird dem Minister gedankt, wenn er irgendwo hin kommt, weil er eine Umgehungsstraße, einen Kindergarten oder eine Kläranlage dabei hat. Am Montagmittag allerdings, ist es Ludwig Spaenle, der sich bedankt - der Wissenschaftsminister richtet den Dank des Landtags aus, und das kann nur heißen: Da ist Geld gespart worden.

Stimmt nicht ganz, denn es wird viel Geld ausgegeben werden, 98 Millionen insgesamt kostet die neue Portalklinik, die das Klinikum der LMU in der Nussbaumstraße bauen wird und für die gestern die ersten, symbolischen Spatenstiche getan wurden. Von diesen 98 Millionen bezahlt das Klinikum selbst rund zwei Drittel, 65 Millionen, 33 Millionen kommen aus dem Etat des Freistaats, durchaus eine ungewöhnliche Verteilung, wenn es um Krankenhausbau geht.

Das LMU-Klinikum hat dafür Erlöse gespart und Zuschüsse zur Seite gelegt - das Vorhaben Portalklinik ist nämlich viel mehr als nur ein Unterposten beim grundlegenden Umbau des Klinikums in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Sie ist sozusagen der Beginn und die Voraussetzung für das, was mit der universitären Medizin in München passieren soll.

Denn von seinem altgewohnten Klinikviertel wird der Münchner sich verabschieden müssen, von diesem Geviert zwischen Goethe- und Sonnen-, Mai- und Nussbaumstraße. Traditionsreiche Kliniken werden die Innenstadt verlassen und nach Großhadern ziehen, das Haunersche Kinderspital, die Frauenklinik in der Maistraße. Damit folgt das Klinikum einer Logik der medizinischen Entwicklung: Die Disziplinen sollen nicht mehr unabhängig voneinander vor sich hin wursteln. Im Neuen Hauner zum Beispiel werden künftig nicht nur kranke Kinder behandelt - sie werden dort auch zur Welt gebracht, und ihre Mütter werden ebenfalls behandelt, wenn es notwendig ist.

Diese Konzentration in Großhadern öffnet eine Versorgungslücke in der Innenstadt - diese soll durch die Portalklinik geschlossen werden. Dort liegt der Schwerpunkt auf Akut- und Notfallversorgung, die Klinik soll, ihrem Namen folgend, der Eingang zu allen Möglichkeiten der universitären Medizin sein, zudem für mindere Fälle eine zentrale Versorgungsstation.

Unbestritten, dass das Klinikum damit auch ein wirtschaftliches Interesse verfolgt - liebend gerne würden die Konkurrenten am hart umkämpften Münchner Gesundheitsmarkt das in der Innenstadt entstehende Versorgungsvakuum für sich nutzen. So dient die Portalklinik auch dazu, den großen Tanker Großhadern draußen im Süden mit ausreichend Patienten zu versorgen.

Es gibt allerdings Leute, die Zweifel an dieser Strategie hegen: Warum sollten die Patienten in die Portalklinik gehen, sich untersuchen und dann nach Großhadern verlegen lassen zur weiteren Behandlung - wenn sie doch in einer anderen Klinik das alles unter einem Dach und ohne weitere Transporte bekommen könnten?

Ob das Konzept funktioniert, wird von 2020 an zu analysieren sein - dann soll das neue Haus fertig sein. Anschließend wird noch die Ziemssenklinik saniert; in ihr werden hauptsächlich Flächen für die Forschung untergebracht werden. Schon bald aber wird ein weiterer Wettkampf beginnen: der um die Nachnutzung der Gebäude, sie sind großteils im Besitz des Freistaates. Die Interessen sind vielfältig. Uni und Uni-Klinik drängen auf "wissenschaftsnahe" Nutzung, worunter aber zum Beispiel auch Wohnungen für Gast-Professoren verstanden werden könnten. Die Stadt hat, als sie 1953 das "Krankenhaus links der Isar" an den Freistaat übergab, mit diesem vereinbart, dass das Areal auch künftig für "Zwecke der medizinischen Forschung und Lehre sowie für Zwecke der Krankenpflege" verwendet wird. Und der Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt hat sich vor zahlreiche Bürger gestellt, die für freiwerdende Gebäude soziale Wohnnutzung gefordert haben - statt Luxussanierung.