Kein Job, keine Wohnung Ein Leben in Kartons

Michael T. wohnt in einem Doppelzimmer des Katholischen Männerfürsorgevereins. Alles, was nicht in den Spind passt, bewahrt er in seinem Lagerabteil auf.

(Foto: Catherina Hess)

Seit Jahren hat Michael T. ein Abteil für seine Habseligkeiten

An der Innenseite der Tür von Michael T.s Abteil hängt eine Jacke. Fast wirkt es so, als würde hier jemand wohnen. Als wäre das hier die Garderobe. Als würde hier morgens jemand aufstehen, sich einen Kaffee kochen, die Jacke schnappen und eilig zur Tür hinaus hasten.

Nur dass hier natürlich niemand wohnt. Dass hier nur Dinge sind, Dinge in Kisten, und dass Michael T. schon gar nicht mehr weiß, was er da alles untergebracht hat. Mehr als fünf Jahre ist es her, dass er seine Wohnung verloren hat und seine Besitztümer in ein Lagerabteil bringen musste: seine Bücher, seine Klamotten, seine Haushaltsgeräte. Alles in Kartons verpackt, alles auf anderthalb Quadratmetern. Einige seiner Möbel habe er damals beim Auszug seinem Nachbarn gegeben, erzählt der 61-Jährige.

Aus Leipzig kommt er ursprünglich, Elektroniktechnik hat er einst studiert in seinem Heimatland, der DDR. Er hat in Belgien und in Holland gelebt, hängen geblieben aber ist er vor 20 Jahren in München. Nachdem er seine Wohnung verloren hatte, wohnte er eine Zeitlang in einer Pension. Dann verlor er auch noch seinen Job. Seitdem schlägt T. sich mit Zeitarbeit durch und hangelt sich von Unterkunft zu Unterkunft. Fünf Jahre sind es nun.

Es ist ein Teufelskreis: ohne Wohnung kein Job, ohne Job keine Wohnung. Er hat einen Antrag auf eine Sozialwohnung gestellt, aber Sozialwohnungen sind rar und begehrt. T. hat 124 Dringlichkeitspunkte, das ist viel, aber viele andere haben eben auch so viele Punkte. Zurzeit hat er ein Bett in einem Doppelzimmer in einer Unterkunft des Katholischen Männerfürsorgevereins. Morgens um acht muss er das Haus verlassen, von 14 Uhr an kann er wieder rein. Die Habseligkeiten, die er dort hat, passen in einen Spind. T. sucht weiter einen Job und eine Wohnung, vielleicht klappt es ja etwas außerhalb. Er will in München bleiben, Leipzig ist keine Alternative mehr. Das sei zwar seine Heimat, aber seine Familie ist im ganzen Land verstreut. "Was soll ich da?"