Junger Braunbär in Bayern:Jetzt könnten Jäger das Problem sein

Lesezeit: 2 min

Eigentlich ist das Tier menschenscheu - aber durch Wildschwein-Kirren könnte sich das ungünstig ändern

Wildtierkamera dokumentiert einen Bären in Bayern
(Foto: Bayerisches Landesamt für Umwelt/dpa)

"Der Bär ist wieder da - und dort" vom 15. Oktober und "Ein bayerischer Bär" vom 24. Oktober:

"Bürstet" man die heutige Bildnotiz quellenkritisch gegen den Strich, so eröffnen sich über das primäre dokumentarische Faktum der Anwesenheit des Bären im Landkreis Garmisch-Partenkirchen (GAP) hinaus deutliche Einsichten in das jagdkulturelle "Feld", in das sich der vom benachbarten Tiroler Bezirksjägermeister als "harmloser Jungbär" Bewertete nun begeben hat.

Zoologisch firmieren Braunbären zwar als "Carnivoren", Fleischfresser, realiter fressen sie aber vorrangig pflanzliche Nahrung, sind also "Omnivoren", Allesfresser. Bei genauem Hinsehen zeigt genau dies das am 24. Oktober veröffentlichte Foto einer Wildkamera im bayerischen Alpenraum: Der Bär entfernt sich von einer kleinen Holzkiste, die im Fokus der Wildkamera steht. Wir Jäger überwachen unsere Reviere üblicherweise mit Wildkameras just dort, wo wir das Erscheinen jagdbaren Wildes erhoffen. Das Bären-Bild deutet auf eine spezielle Form der Wildschwein-Kirrung hin: Die Kiste wird nach Befüllung mit "Sauengold" (Jäger-Sprech für Mais) abgedeckt, damit kein wiederkäuendes Schalenwild (Rehe, Hirsche) drankommen kann. Für Sauen und den Bären ist das kein Problem, und vermutlich hat er die Kiste soeben geöffnet und geleert.

Der GAP-Waidkamerad kontrolliert angesichts der momentanen sternenklaren Nächte, circa eineinhalb Wochen nach Vollmond, wohl täglich Kirrung und Wildkamera; möglicherweise hat er gar eine Funk-Kamera installiert, die Fotos unverzüglich an den Jäger verschickt. Hierauf deutet die Publikation des Fotos am Tag nach der Aufnahme hin. Im Interesse angestrebten Jagderfolgs muss er hier kontinuierlich kirren, das heißt, täglich seine Maiskiste befüllen. Dabei hinterlässt er jedoch auch seinen Geruch: für den Bären erkennbare tägliche menschliche Fütterung. Der merkt sich das, kontrolliert die Kirrung gegebenenfalls regelmäßig, gewöhnt sich an den menschlichen Geruch des Jägers, vermindert seine Scheu vor Menschen: Eine "Nahrungskette", die zur anthropogenen Konditionierung des Bären als "Problem" führen kann.

Um dieser Gefahr zu begegnen, ist es folglich notwendig, im potenziellen Bärengebiet jegliche Kirrung auf Schalenwild einzustellen und dies behördlicherseits auch durchzusetzen - mit den Sanktionsmöglichkeiten, die legal geboten sind. Subito. - Die reflexhaft voreilige Abschussforderung etwa des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern stellt die Verantwortlichkeit für das Problem auf den Kopf, zum Nachteil des streng geschützten Bären. Weil unvernünftig, widerspricht sie zudem dem Tierschutzgesetz.

Dr. Hubertus Habel, Bamberg

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema