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Innenansicht:Tausend Jahre sind ein Tag

Seit fünf Jahren reden Ordinariat und katholische Laien im Erzbistum über Reformen. Passiert ist bis jetzt fast nichts

Liebe Leser, das Folgende wird Ihnen womöglich bekannt vorkommen, aber es geht nicht anders, denn eben das ist das Problem: Es gibt kaum Neues. Seit 2010 plant das katholische Erzbistum München und Freising einen geistigen Aufbruch. 126 Priester und Laien haben drei Jahre lang in einem "Zukunftsforum" 61 Vorschläge erarbeitet, wie etwa Ehrenamtliche besser unterstützt werden können (nämlich mit einer Ehrenamtsakadamie). Oder wie sich Pfarrer angemessen um die Gläubigen kümmern können, während sie immer mehr Gemeinden betreuen müssen (nämlich unter anderem durch bessere Zusammenarbeit mit Laien). Ebenfalls seit 2010 aber lässt dieser Aufbruch nun schon auf sich warten.

Fünf Jahre? Vielleicht liegt das Problem in einer unterschiedlichen Wahrnehmung von Zeit. Für die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Geschichte sind fünf Jahre ein Klacks. Für engagierte Katholiken dagegen sind sie eine lange Zeit. Aber zumindest zweimal im Jahr gibt es eine Art Kurzschluss, einen Moment, an dem die Kirche merkt, wie lange die Zeit tatsächlich ist - und zwar dann, wenn sich der Diözesanrat der Katholiken trifft, die zentrale Vertretung der Laien im Erzbistum, zum Beispiel an diesem Wochenende. Nur: Helfen tut es wenig.

Der Tagesordnungspunkt heißt "Aussprache", und das trifft es gut. Ob man die Bearbeitung der Reformvorschläge nicht in andere Hände legen könne, will einer wissen. Einspruch von Peter Beer, dem Verwaltungschef des Erzbistums: Man solle nicht übertreiben, es sei doch viel passiert. Was denn sei mit der Ehrenamtsakademie - doch nicht viel? Daran sei nicht nur das Ordinariat schuld, es hätten sich auch Verbände gesperrt. Und die Entlastung der Pfarrer, der Personalplan? Es gebe eine Evaluation der Pfarrverbände, sagt Beer. Das Ergebnis soll "möglichst bald" vorliegen. Die Kirche wisse, dass sie nicht weitermachen könne wie bisher. Sie müsse sich "mutig und mit neuen Ideen den Herausforderungen stellen", sagt er noch, dann ist das Thema abgehakt. Zurück bleibt die Frage, was die Kirche unter "bald" versteht.

© SZ vom 12.10.2015
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