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Fußgängerzone:Neue Shop-Konzepte für die Alte Akademie

Alte Akademie in München, 2015

Müssen sie bleiben oder können sie teilweise oder ganz verschwinden? Um diese Arkaden des Hettlage-Hauses könnte noch gestritten werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wie aber der Spagat zwischen Bewahrung und Erneuerung bewältigt wird, bleibt unklar

Von Alfred Dürr

Alle scheinen aufs Höchste zufrieden mit dem Projekt zu sein: Die Architekturkritik und der Denkmalschutz, weil die Umwandlung historischer Bautrakte in ein modernes Innenstadt-Quartier mit exquisiten Shops, noblen Büros, einem First-Class-Hotel und Luxuswohnungen zum viel bestaunten Vorzeigeobjekt geworden ist. Und nicht zuletzt der Investor, für den sich der enorme Aufwand an Zeit und Geld offensichtlich auszahlt.

Das ist kein Bericht aus der Zukunft über die Alte Akademie an der Fußgängerzone im Herzen Münchens. Die Beschreibung bezieht sich auf das Goldene Quartier, die neue Shopping-Meile in der Wiener Altstadt. Christoph Stadlhuber, seit 2011 Geschäftsführer der österreichischen Signa Holding GmbH und CEO der Signa Prime Selection, ist sichtbar stolz auf diese Wiener Paradeimmobilie - und auch auf die Neuerwerbung Alte Akademie in München: "Wir sind uns der Bedeutung solcher Häuser für die Silhouette und die Geschichte der Stadt sehr bewusst."

Ende 2013 hatte der Freistaat Bayern sein ehemaliges Verwaltungs- und Geschäftshaus (Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung sowie das Bekleidungshaus Hettlage) an die Signa Gruppe verkauft. Seither drang nichts nach außen über die schwierigen Verhandlungen zwischen der Stadt, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Investor über die Modernisierung und mögliche Umbauten der geschichtsträchtigen Alten Akademie. Erstmals ging die Signa nun mit einer Informationsveranstaltung über ihr Münchner Projekt an die Öffentlichkeit. Die Botschaft des Abends, wie sie sich der Investor wünscht: Alles wird gut.

Wie Bayerns oberster Denkmalpfleger Mathias Pfeil darlegte, gehört die Alte Akademie zu den baukünstlerischen Schlüsselwerken des späten 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen. Hier war über lange Zeit ein Ort der Religion, der Kultur und der Wissenschaft. 1944 wurde der Komplex durch Bomben schwer zerstört. Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau nach historischem Vorbild durch den Architekten Josef Wiedemann. Der Westflügel wurde mit seinen Arkaden für das Geschäftshaus Hettlage völlig neu errichtet.

Gerade diese Arkaden, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk, hätten bis heute eine wichtige Bedeutung für das Stadtbild. Sie seien ein prägendes architektonisches Element und damit wichtig für die Altstadt. Diese zeichne sich eben aus durch die vielen Durchgänge und Passagen, durch die Innenhöfe und die speziellen Fassadengestaltungen oder auch die Dachlandschaften. Stadlhuber nahm das alles aufmerksam zur Kenntnis.

Es ist nämlich auch wahr, dass über denkmalrechtliche Fragen des Umbaus und den Umgang mit der historischen Bausubstanz zunächst keine Einigung erzielt werden konnte. Das geht aus der Vorlage des Planungsreferats für den Stadtrat hervor, die am vergangenen Mittwoch einstimmig beschlossen wurde. Darin legt die Stadt die Eckdaten für den bevorstehenden Architektenwettbewerb fest. Am typischen Erscheinungsbild der Alten Akademie mit dem Hettlage-Anbau und dem Innenhof, so lautet die grundsätzliche Forderung, darf nichts verändert werden. Umbauten im Innern der Gebäude-Komplexe sind hingegen möglich.

Wie schafft die Signa den Spagat zwischen Bewahrung und Erneuerung? Darum drehten sich die teils sehr skeptischen Fragen aus dem Publikum. Der Architektenwettbewerb, an dem sich zwölf Büros aus München, Deutschland und Europa beteiligen, werde sicher gute Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, sagte Stadlhuber. Mitte kommenden Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. Er versprach völlig neue Shop-Konzepte, die es bisher in München noch nicht gebe. Billig-Läden sind nicht geplant. Der Investor sagte es deutlich: Die Alte Akademie hat viel Geld gekostet - und das muss wieder hereingeholt werden.

© SZ vom 13.11.2015
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