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Hinter dem Lenkrad:"Der Markt ist sehr dünn"

Tomo Tomic auf dem Weg zum Zentralen Omnibusbahnhof.

(Foto: Claus Schunk)

Das Brunnthaler Unternehmen Geldhauser fährt im Auftrag von Fernbusanbietern. Verlässliche Busfahrer zu finden, wird zunehmend schwierig

Von Michael Morosow, Brunnthal

Viel Zeit für ein Gespräch hat Tomo Tomic Montagmittag nicht. Um 13.40 Uhr muss er mit dem gelben Fernreisebus der Deutschen Post am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nahe der Münchner Hackerbrücke sein. Dort warten bereits die Fahrgäste, die für die Strecke München - Stuttgart zwar nur 13 Euro bezahlen müssen, aber dennoch Anspruch auf Pünktlichkeit haben. Der 47-jährige Kroate ist einer von etwa 60 Fahrern, die vom Busunternehmen Geldhauser mit Sitz in Brunnthal auf Fernbuslinien eingesetzt werden. "Die Post ist der Auftraggeber, wir sind nur ausführend", beschreibt Betriebsleiter Cornelius Kournettas die Geschäftsbeziehung seines Unternehmens mit der Deutschen Post, die sich seit der Liberalisierung des Marktes vor zwei Jahren mit anderen Anbietern wie "Meinfernbus" oder "Flixbus" einen Preiskampf liefert.

Die Busfahrer seien Opfer des Preisdumpings, sagt Manfred Weidenfelder, Landesfachbereichsleiter bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, und berichtet von Kampfpreisen von bis zu einem Euro, etwa für die Strecke Köln - Amsterdam. "Wir beobachten seit der Liberalisierung den Markt", sagt Weidenfelder. Dabei wird Verdi von dem Verein "mobifair" unterstützt, der zum Großteil aus Mitarbeitern der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) besteht und für faire Arbeitsbedingungen im Transportwesen eintritt. Wobei sich Fairness offenbar nicht unbedingt am Stundenlohn ablesen lässt, der sich derzeit bei durchschnittlich zwölf Euro bewegt. Regelmäßig erscheinen laut Weidenfelder Fernbusfahrer in der Beratungsstunde, zuletzt etwa ein Mann, der zwar einen korrekten Stundenlohn erhielt, allerdings nur für die Zeit, während der er am Steuer saß. Für die vier Stunden, die er in Nürnberg auf die Fortsetzung der Reise nach Berlin warten musste, bekam er keinen Cent.

Zu weit treiben dürfen es die Busunternehmen aber nicht mit ihren Fahrern - "denn die Busfahrer werden knapp", weiß Weidenfelder. Einer der Hauptgründe dafür sei die Tatsache, dass der größte Fahrerausbilder, die Bundeswehr, schon seit geraumer Zeit nicht mehr als kostenlose Fahrschule agiere und die Ausbildung sehr teuer geworden sei. Deshalb seien inzwischen sehr viele Fahrer - etwa aus Spanien oder Tschechien - auf deutschen Fernbuslinien unterwegs. Oder aus Kroatien, wie Tomo Tomic, der seinen Bus-Führerschein vor 30 Jahren in seiner Heimat gemacht hat und seit Dezember 2014 für das Busunternehmen Geldhauser fährt.

Halten sich Fahrer und Firmen im umkämpften Markt immer an vorgegebene Lenk- und Ruhezeiten? Bei einer Kontrollaktion in Hannover seien etliche Verstöße aufgedeckt worden, berichtet Verdi-Mann Weidenfelder. In Bayern dagegen habe es noch gar keine entsprechenden Kontrollen von Fernlinienbussen gegeben, sagt der Gewerkschafter. Betriebsleiter Kournettas will erst gar nicht lange um den heißen Brei herumreden und antwortet auf die Frage nach den schwarzen Schafen: "Es gibt sicherlich Verstöße, wer das abstreitet, der lügt. Ein Unternehmen ist für mich aber nur dann ein schwarzes Schaf, wenn es absichtlich die Ruhezeiten nicht einhalten lässt und damit auch kalkuliert", sagt der Geldhauser-Betriebsleiter. Das sei der große Unterschied zu anderen Betrieben, bei denen Verstöße nur in Ausnahmefällen vorkommen, etwa bei einer Vollsperrung einer Straße. Für die Fernbusunternehmen wird es dabei zunehmend schwierig, verlässliches Personal zu finden. "Der Markt ist sehr dünn", sagt Kournettas und liefert Erklärungen dafür: "Schlechtes soziales Image, lange Ortsabwesenheiten - nicht die beste Basis für eine Beziehung."

Tomo Tomic ist am Montag pünktlich am ZOB angekommen. Bis Stuttgart ist er Beifahrer. Sein Dienst beginnt erst tags drauf. Den Montag bekam er dennoch voll bezahlt.

© SZ vom 09.06.2015
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