Haftstrafe gegen Ex-Bayern-Profi Breno "Das ist das sportliche Aus"

Breno reagiert geschockt auf das Urteil: Der Ex-Profi des FC Bayern wird wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Sein Verteidiger befürchtet das Karriereende für den Brasilianer. Ins Visier der Justiz geriet jetzt auch der FC Bayern.

Von Christian Rost

Der bisherige FC-Bayern-Spieler Breno Borges muss ins Gefängnis. Das Landgericht München I verurteilte den Profifußballer am Mittwoch wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Die Vorsitzende Richterin Rosi Datzmann ließ den 22-Jährigen, der auf Kaution auf freiem Fuß war, im Gerichtssaal festnehmen.

Die Haftstrafe kann das Karriereende für den ehemaligen FC-Bayern-Spieler Breno bedeuten.

(Foto: REUTERS)

Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft, die Verteidigung maximal eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Ins Visier der Justiz geriet wegen der Schlaftabletten aus dem Medikamentenschrank des Vereins, die Borges in der Brandnacht genommen haben soll, jetzt auch der FC Bayern: Ermittler prüfen, ob in der Physio-Abteilung gegen das Medikamentengesetz verstoßen wurde.

Borges hatte während des Prozesses zu dem Vorwurf geschwiegen, wonach er aus Frust über sein monatelanges Verletzungspech beim FC Bayern und nach einem Streit mit seiner Frau in der Nacht zum 20. September 2011 die gemietete Villa in Grünwald angezündet hatte. Er sagte nur, dass er sich an die Ereignisse nicht mehr erinnern könne. Am Mittwoch nutzte er sein Recht auf das letzte Wort und entschuldigte sich beim FC Bayern und bei seiner Familie: "Ich war kein gutes Vorbild für meine Kinder."

Der 22-Jährige fuhr sich nach dem Urteil sichtlich erschüttert immer wieder mit den Händen über das Gesicht. Seine Pläne, noch diesen Sommer zu Lazio Rom zu wechseln, sind mit diesem Urteil geplatzt. "Das ist sein sportliches Aus", sagte sein Verteidiger Werner Leitner. "Unsere Hoffnung war, dass Breno seine Karriere als Fußballer und damit sein Leben zusammen mit seiner Familie hätte fortsetzen können", erklärte der FC Bayern, der ihn weiter unterstützen will. Nach zweieinhalb Jahren Gefängnis kann der Brasilianer in sein Heimatland abgeschoben werden. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.

Das Gericht beurteilte den Fall eigner Auffassung nach wie jeden anderen. Die Richterin hielt Borges zugute, dass er wegen seines Alkohol- und Tablettenkonsums nur eingeschränkt schuldfähig war. Die Kammer habe die Haftstrafe daher "im unteren Drittel des Möglichen" angesetzt. Schwere Brandstiftung kann mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden.

Den Tatvorwurf sah das Gericht als zweifelsfrei erwiesen an. Niemand sonst habe sich in dem Haus aufgehalten, sagte Datzmann. Schwer wog ihrer Ansicht nach die Gefahr für die Nachbarn durch das Feuer: "Wenn es nicht geregnet hätte und windstill gewesen wäre, wäre die gesamte Siedlung betroffen gewesen."

Staatsanwalt Nikolaus Lanz sagte am Mittwoch, zwei Sachverständige hätten klar aufgezeigt, dass sich das Feuer nur binnen weniger Minuten habe ausbreiten können, weil es absichtlich an mehreren Stellen gelegt worden sei. Es hatte demnach weder einen technischen Defekt gegeben, noch war ein Fremder in die Villa eingedrungen.

Der Staatsanwalt billigte Borges, der schwer betrunken war und auch Schlaftabletten eingenommen hatte, zwar eine verminderte Steuerungsfähigkeit zu. Allerdings habe er selbst diesen Zustand herbeigeführt, was nicht zu einem milderen Urteil führen dürfe. Der Staatsanwalt stellte indirekt auch die Persönlichkeit Borges infrage. In vier Jahren habe er sich nicht aufraffen können, deutsch zu lernen, sagte Lanz.

"Befremdet" nahm Werner Leitner das Plädoyer des Staatsanwalt auf. Mangelnde Deutschkenntnisse könnten nicht als Persönlichkeitsmangel ausgelegt werden. In der Sache schloss sich er sich teils der Anklage an: Es bestehe ein "dichter Verdacht", dass der Angeklagte etwas mit dem Feuer zu tun gehabt habe. Letztlich überwogen beim Verteidiger aber Zweifel an der Indizienkette gegen Borges. Objektive Beweise für eine Brandstiftung lägen nicht vor, sagte Leitner: "Die Brandgutachter haben aus der Asche gelesen, was in dieser Nacht passiert sein soll." Abschließend verglich Leitner seinen prominenten Mandanten mit Kaspar Hauser, also mit einem, "der sich in der Welt nicht zurechtfindet".