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Gegen-Aktion zum Kirchentag:Die Prügel-Nonne kommt

Der Bund für Geistesfreiheit errichtet zum Kirchentag eine religionsfreie Zone. Die mediale Aufmerksamkeit will er für seine Zwecke nutzen.

Sie sind in Papst- und Hitler-Verkleidung durch die Münchner Innenstadt spaziert, haben den Rasen auf dem Königsplatz in Erinnerung an die Bücherverbrennung abgefackelt und sind beim Christopher-Street-Day mit einem Wagen samt Konterfei des Pontifex', der Kondome in der Hand hält, dabei gewesen.

Bund für Geistesfreiheit München

Von Schnaps bis Postkarte: Die Vorstandsmitglieder des Bundes für Geistesfreiheit Wolfram Kastner, Peter Kröling, Dietmar Holzapfel, Michael Wladarsch und Assunta Tammelleo (v.l.n.r) setzen sich satirisch mit der Kirche auseinader.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Die Mitglieder des Bundes für Geistesfreiheit sind für eine Überraschung gut, auch während des 2. Ökumenischen Kirchentages vom 12. bis 16. Mai in München. "Der Kirchentag ist für uns wie Weihnachten", sagt Vorsitzende Assunta Tammelleo. "Die mediale Aufmerksamkeit ist enorm und bietet uns ein einmaliges Forum."

Die Mitglieder freuen sich schon seit Wochen auf das christliche Ereignis. Aber nicht weil sie am großen Eröffnungsgottesdienst auf der Theresienwiese teilnehmen oder mit anderen Gläubigen feiern, sondern weil sie für das Kredo der Freigeister eintreten wollen: die Trennung von Kirche und Staat.

Deshalb findet am 13. Mai, 13 Uhr, eine Frohe Prozession vom Geschwister-Scholl-Platz über den Altstadtring zum Gärtnerplatz statt. Unter dem Motto "Dieses Christihimmelfahrtskommando ist die bunt-fröhliche Alternative zum weihrauchvernebelten klerikalen Muff" dürfen alle mitmachen, die sich dazu berufen fühlen.

Eine ganz normale Prozession wird es freilich nicht. "Viele von uns werden verkleidet sein. Zum Beispiel als Priester mit Kinderwagen." Für Gesprächsstoff wird die drei Meter hohe "Prügel-Nonne" aus Pappmasché sorgen. In der einen Hand hält sie ein Kruzifix, in der anderen Hand einen Rohrstock, den sie fleißig schwingen wird.

Wie viele Teilnehmer die Frohe Prozession anzieht, kann Tammelleo nicht sagen. "Es ist keine kritische Masse im Verhältnis zum Kirchentag." Als bunter Farbfleck soll die Prozession hervorstechen, auf einen Mangel aufmerksam machen und auch ein kleines bisschen provozieren.

"Durch die Ereignisse der letzten Monate hat unsere Organisation spürbaren Rückenwind bekommen", sagt Tammelleo. Es gebe immer mehr Sympathisanten, die sich mit der Freigeist-Ideologie beschäftigen würden.

"An den Mitgliederzahlen merken wir noch nicht viel, aber darum geht es auch gar nicht. Wir freuen uns, wenn sich immer mehr Christen und Ex-Christen mit unserer Weltanschauung beschäftigen."

Missionieren will der Bund für Geistesfreiheit nicht. Weder bei der Prozession noch bei den folgenden Veranstaltungen. Durch ihre Aktionen wollen sie die städtische Kulturlandschaft beleben und eine religionsfreie Zone schaffen, wobei letzteres gerade beim Kirchentag schwierig werden dürfte. Vielleicht überraschen die Freigeister am Kirchentag nicht nur mit der "Prügel-Nonne".

Weitere Veranstaltungen des Bundes für Geistesfreiheit zum 2. Ökumenischen Kirchentag finden Sie unter www.frohe-prozession.de.

© sueddeutsche.de/sonn
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