Gedenkpolitik Denkmal für Roma und Sinti

Der Sinti-Roma-Platz ist nicht automatisch für das Denkmal gesetzt.

(Foto: Florian Peljak)

Der Kulturausschuss des Stadtrats will das Projekt diese Woche auf den Weg bringen

Von Dominik Hutter und Andrea Schlaier

Am Anfang stand ein temporäres Kunstwerk am Sinti-Roma-Platz nahe des Bavariaparks. 16 Betonsäulen, 2007 in einem Kreis aufgestellt, erinnerten an die Deportation der Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus. Seitdem steht ein solches Denkmal auf der Wunschliste vor allem der Grünen. Und es steht nun vor dem Durchbruch: "Es passiert spät, aber es scheint in die richtige Richtung zu gehen", sagt Florian Roth, der Fraktionschef der Grünen im Rathaus. An diesem Donnerstag soll der Kulturausschuss des Stadtrats einen Wettbewerb auf den Weg bringen. Es geht um ein "partizipatives Kunstwerk zur Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma" an einem zentralen Ort in der Stadt.

Der Sinti-Roma-Platz auf der Schwanthalerhöhe ist damit nicht automatisch gesetzt. Roth zufolge bleibt er aber im Rennen. Der Grünen-Politiker heißt aber auch die wohl aussichtsreichste Alternative für gut: die Ettstraße in der Altstadt. Dort, in der Polizeizentrale, wurde 1899 reichsweit der erste "Nachrichtendienst für Sicherheitspolizei in Bezug auf Zigeuner" gegründet. Und von dort wurden Sinti und Roma in Konzentrationslager deportiert; 1943 waren es mindestens 141 von ihnen. Die Stadtrats-Fraktion von Grünen und Rosa Liste hatte bereits mehrfach beantragt, an diesen mörderischen Teil der Geschichte gebührend zu erinnern und neben einem Kunstwerk auch eine kulturelle Begegnungsstätte für Sinti und Roma in München auf den Weg zu bringen. Die Initiative ging vor allem vom Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe aus.

Das Denkmalprojekt soll, so die Stadträte am 28. Februar zustimmen, nicht allein an die Geschichte der Sinti und Roma in München erinnern, sondern auch ihre Gegenwart und ihre Bedeutung für das Leben in der Stadt herausstellen. Sinti und Roma sollen selbst an der "prozesshaften" Entstehung beteiligt werden. Das Kulturreferat hat im Dialog mit dem Bayerischen Landesverband Sinti und Roma folgendes Prozedere angeregt: Im Zusammenspiel von Künstler und Bürgern soll das Vorhaben entstehen und den Münchner damit nicht "von oben herab" ein Werk vor die Nase setzen. Als Referenzbeispiel nennt das Kulturreferat Sharone Lifschitz' Arbeit "Speaking Germany", bei dem die Künstlerin Menschen verschiedenster Herkunft zum Verhältnis zwischen Deutschland und Judentum befragte. Fragmente der Konversation bedecken die Außenfassade des Jüdischen Museums.

Eine eigens installierte Jury soll für das partizipative Gedenkprojekt innerhalb eines Wettbewerbs geeignete international renommierte Künstler ausmachen; der dann ausgewählte Entwurf wird wiederum dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt. 230 000 Euro will man für diese Erinnerungs-Kunst zur Verfügung stellen. Wo sie einmal steht, ist noch offen. Der unscheinbare Sinti-Roma-Platz auf dem alten Messegelände auf der Schwanthalerhöhe scheint den Beteiligten jedenfalls nicht zentral genug für so einen zentralen Erinnerungsort. "Wir hätten es uns auf der Schwanthalerhöhe gewünscht", sagt Daniel Günthör (Grüne) vom örtlichen Bezirksausschuss. In dem Bezirk waren einst viele alteingesessene Sinti-Familien auf dem ehemaligen Pferdemarkt und am Lindengarten an der Kazmairstraße oder in verschiedenen Funktionen auf dem Oktoberfest tätig gewesen. Erich Schneeberger, Vorsitzender des bayerischen Landesverbands der Roma und Sinti, hatte daran in der Vergangenheit mehrfach erinnert.