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Windradgegner:Leserbriefe

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Zu "Windkraftgegner sammeln sich" (23. Juni):

Keine Alternativen

Die Vision der Bürger Energie Genossenschaft Freising ist eine dezentrale Energiewende (übrigens ausdrücklich mit Bürgerbeteiligung!) Welche Vision hat aber Herr Kurz? Wenn er von "katastrophaler Zerstörung und unverantwortlichen Folgen" spricht, trifft dies sicher nicht für ein Stück Jesenwanger Wirtschaftswald zu. Die Wortwahl wäre aber durchaus passend, um die verheerenden Folgen der Erderhitzung zu beschreiben.

Um diese zu verhindern ist die Nutzung regenerativer Energien (unter anderem eben Windkraftanlagen) schlichtweg erforderlich. Was wir nicht brauchen, ist zeitraubender "Gegenwind", der nur ablehnt, keine Alternative bietet und damit beweist, dass der Ernst der Lage noch nicht begriffen wurde.

Wir wünschen uns alle eine wunderschöne unzerstörte Landschaft. Nicht das Windrad wird sie zerstören, es ist vielmehr Teil einer Lösung.

Heike Schiessel, Grafrath

Dringend benötigt

Dass in einem Qualitätsmedium der Presse, wofür ich die Süddeutsche Zeitung immer noch halte, die unsachlichen Behauptungen des Herrn Kurz zum Thema Windkraft in Jesenwang und allgemein zu erneuerbaren Energien unkommentiert wiedergegeben werden, ist für mich nicht nachvollziehbar. Genauso frage ich mich, warum die Mutmaßungen einiger Anwesender bei dem Vorort-Termin über die Betreibergesellschaft des beantragten Windrades, die jeglicher Grundlage entbehren, ohne Einordnung oder weitere Recherche Einzug in einen Artikel finden. Hier würde ich mir journalistische Tätigkeit anstelle von Protokoll schreiben erwarten.

So wurde zum Beispiel laut Artikel von einem Anwesenden bezweifelt, dass die fälschlicherweise als "Freisinger Land Genossenschaft" bezeichnete Betreiberfirma überhaupt Bürgerbeteiligung ermögliche. Tatsächlich führt die "Bürgerenergie Genossenschaft Freisinger Land" die Bürgerbeteiligung schon in ihrem Namen und informiert auf Ihrer Internetseite auch über die niederschwelligen Beteiligungsmöglichkeiten.

Zum Fachlichen: Aufgrund der 10H-Regel, die uns in Bayern die CSU (zu der auch der Initiator gegen Windkraft in Jesenwang, Herr Kurz, gehört) beschert hat, kommen beinahe nur noch Standorte in Wäldern für die im Energiemix (auch zur Erzeugung von grünem Wasserstoff) dringend benötigte Windenergie in Frage. Das jetzt vorgesehene Grundstück in Jesenwang ist ein Fichten-Wirtschaftswald, ein Teil der Fläche ist eine Lichtung beziehungsweise wurde erst kürzlich neu aufgeforstet mit jungen Bäumen.

Als Förster würde ich mich jedenfalls freuen, gerade hier Windkraft zu etablieren, wo dann eine standortgerechte und an den Klimawandel angepasste Waldgesellschaft etabliert werden kann.

Hannes Zwölfer, Grafrath

Schon verwunderlich

Es ist schon verwunderlich, dass sofort eine Gegeninitiative auf dem Plan steht, wenn irgendwo ein Windrad errichtet werden soll. Es ist natürlich schön, wenn es noch Wälder gibt, die unberührt aussehen. Aber natürlich sind fast alle Wälder bei uns stramme Wirtschaftswälder. Sie werden durch den Rückgang der Fichten infolge des Klimawandels ihr Aussehen sowieso in Zukunft massiv verändern. Ob es da dann wirklich störend ist, wenn sie an einigen Stellen ein Windrad überragt, ist Geschmackssache, über die sich streiten lässt. Von ökologischen Schäden ist nichts bekannt.

Die Windräder in Mammendorf zeigen aber, wie elegant sich mit Wind erhebliche Strommengen ohne Probleme wirtschaftlich erzeugen lassen. Und wenn man die Masten einmal nicht mehr brauchen sollte, lassen sich solche Anlagen wieder vollkommen ohne Folgeschäden abmontieren.

Wir brauchen dringend mehr regenerative Stromerzeugung, solange wir nicht unseren Stromverbrauch massiv zurückfahren (und danach sieht es überhaupt nicht aus). Oder wollen wir wieder Atomkraftwerke bauen, vielleicht regional? Oder wollen wir auf das Klima pfeifen und weiter kräftig Öl, Gas und Kohle verheizen? Wer kann die Verantwortung für weitere Klimaschäden übernehmen und in 30 Jahren vor unsere Enkel hintreten und sagen, er habe das nicht gewusst und nicht gewollt?

Gerne möchten wir die Initiatoren der BI "Gegenwind" zu unserer "Klimawache" der Initiative "Puchheim for Future" einladen und ernsthaft mit ihnen ins Gespräch kommen. Wir müssen klimaverträgliche Wege für unsere Stromversorgung umsetzen.

Michael Dippold, Puchheim

© SZ vom 25.06.2020
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