Wahlkampf CSU-Bashing und forsche Sprüche

Vor allem mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt sich der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen (links) im Kleinen Saal des Veranstaltungsforums.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Während draußen 300 Demonstranten skandieren, arbeitet sich der AfD-Vorsitzende in Fürstenfeld an Seehofer und Söder ab

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Der Kleine Saal von Fürstenfeld füllt sich am Dienstagabend zunehmend. Am Ende sind es etwa 150 Gäste, die meisten davon im reiferen Alter, die den AfD-Bundesvorsitzenden und EU-Abgeordneten Jörg Meuthen sehen wollen. Darunter sind auch einige bekennende Kritiker wie SPD-Stadtrat Mirko Pötzsch, die sich ein Bild von der Partei machen wollen, die Umfragen zufolge drittstärkste Kraft im bayerischen Landtag werden könnte. Begleitet von zwei Bodyguards, betritt der Wirtschaftswissenschaftler den Saal, während die Buhrufe und Trillerpfeifen der Kundgebung vor dem Veranstaltungsforum gedämpft zu hören sind.

Meuthen hat sich mit dem Kleinbus direkt in den Innenhof fahren lassen, hat also den von Polizisten gesicherten Weg gescheut zwischen den knapp 300 Demonstranten und der Ankündigungsstele mit dem roten Leuchtband "Fürstenfeldbruck ist bunt". Auf dem Podium quittiert AfD-Kreisvorsitzender Florian Jäger, 47, den lautstarken Protest und das "Spießrutenlaufen" mit dem Hinweis, er sehe im Saal "keine Nazis und keine Radikalen, sondern mutige Menschen", die bereit seien, sich gegen eine "sozialistische Diktatur" zu wehren. Meuthen, der am selben Abend noch nach Straßburg weiterreist, knöpft sich vor allem die CSU vor. Er geißelt das Familiengeld und die von Seehofer ausgehandelten Übereinkünfte mit Staaten wie Italien oder Spanien über die Rückführung bereits registrierter Flüchtlinge. Meuthen behauptet, es gebe "Hunderte illegaler Einwanderer pro Tag", sieht in der "Festung Europa" das einzig probate Gegenmittel und lastet Söder und Merkel an, das Land "zu verschenken". Das "C" im Parteinamen erinnere eher an die Halbmondsichel des Islam. Die SPD habe sich von der Partei der Proletarier zur "Partei der Proleten" entwickelt. Und den Grünen wirft der 57 Jahre alte Essener "pathologischen Altruismus" und "Gender-Gaga" vor. Für die forschen Sprüche gibt es freundlichen Applaus. Meuthen warnt vor einem überbordenden Sozialstaat, der die Familien zerstöre.

Er widerspricht gleichwohl der Kritik, die AfD habe nur das Thema Flüchtlinge zu bieten. Als Beleg verweist er auf die propagierte Ablehnung der Rundfunkgebühren und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie den Vorschlag, statt der Einführung des Baukindergelds lieber die Grunderwerbsteuer abzuschaffen.

Während die AfD-Kommunalpolitiker ihre politische Agenda vorstellen, dünnt die Zuschauerschar aus, nach gut zwei Stunden harren noch etwa 60 Personen aus. Die Unternehmerin und Bezirkstagskandidatin Heike Themel, 46, aus Moorenweis rechnet mit dem Internetportal Facebook ab. Sie hatte sich vor Gericht erfolgreich gegen die Löschung eines Beitrags gewehrt und sieht ihren Schwerpunkt denn auch im Bereich des Kampfs für Meinungsfreiheit in der "Migrationskrise".

Geografieprofessor Ingo Hahn, 46, der nahe Germering wohnt und AfD-Landtagskandidat für Fürstenfeldbruck-Ost ist, stellt sich als Experte für Umwelt und Landwirtschaft vor und berichtet von Albträumen, die sich um fehlende Uniabsolventen im Jahr 2025 drehen sowie um steigende Mieten und Menschen am Existenzminimum. Vor allem aber hält er nichts von der Energiewende. Der für Biogasanlagen angebaute Mais sei schuld am Bienensterben und die Windräder kosteten Jahr für Jahr 200 000 Fledermäuse das Leben. Auf die Frage nach Alternativen bleibt Hahn diffus - er befürworte einen "Energiemix". Vor allem hofft er, "dass Merkel abdanken muss".

Als Frau, mit der er den schwäbischen Migrationshintergrund teile, begrüßt Jäger Landtagskandidatin Edeltraud Schwarz (Stimmkreis Bruck-West). Die Begriffe Freiheit und Sicherheit verknüpft sie mit Heimat. "Ich spreche deutsch zu Ihnen, ich bin in Deutschland geboren", sagt die 51-Jährige, die ein "Grundrecht auf Heimat" reklamiert und sich Grenzkontrollen zurückwünscht.

Heimat dürfe nicht dem "Multikulti-Trend" geopfert werden. Sie schließt mit den Worten "Wir holen uns am 14. Oktober unsere Heimat zurück".