bedeckt München

Verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen an den Schulen:Ausbaden müssen es die Familien

PUCHHEIM:  Der Haupteingang der Grundschule am Gernerplatz

Unterricht an der Schule und Unterricht daheim: Auch an der Grundschule am Gerner Platz in Puchheim gelten die neuen Regeln, die viele Eltern in ein Dilemma stürzen.

(Foto: Leonhard Simon)

So denken SZ-Leser darüber

"Eltern üben heftige Kritik am Homeschooling" (19. Oktober)

So jetzt ist es also wieder so weit. Das Landratsamt Fürstenfeldbruck ordnet Unterricht und Kinderbetreuung mit verringerter Gruppengröße an, quasi Homeschooling light. Dass das zufällig zeitgleich mit der Verkündigung von Spahn und Giffey geschieht, dass Kita-Schließungen nicht das Mittel der Wahl sind, mag Zufall sein. Dennoch offenbart diese Maßnahme erneut, wie insbesondere die bayrische Landesregierung umher irrlichtert auf der Suche nach greifenden Maßnahmen. Ausbaden müssen es mal wieder die Familien.

Und eingreifen müssen mal wieder die Großeltern. Halt. War da nicht was? Man will die vulnerablen Gruppen schützen. Und gleichzeitig zieht man die Kinder aus den gewohnten Gruppen, um sie zu Oma (oder zu Nachbarn, Freunden) zu bringen, damit die Eltern ihrer Arbeit nachgehen können.

Auf Notbetreuung hat unsere Schule zum Beispiel praktischerweise gleich ganz verzichtet. Und ich kann es aus Sicht der Schule sogar verstehen. Wie soll das funktionieren, wenn alle Lehrkräfte den Rest der Klasse unterrichten? Das Stufenmodell für Schulen des bayerischen Kultusministeriums ist nicht ansatzweise zu Ende gedacht, widerspricht frappierend aktuellen Erkenntnissen und gehört dringend überarbeitet.

Wenn uns ein dreiviertel Jahr nach Beginn der Pandemie nichts mehr einfällt, wie man die steigenden Zahlen stoppen kann und statt dessen sinnlosen Aktionismus betreibt, muss man sich nicht wundern, wenn die Menschen aus der Not heraus dem Infektionsgeschehen einen Bärendienst erweisen (Stichwort "Kinder zu Oma").

Wenn dann noch dazu die Schulen es in mehreren Monaten nicht geschafft haben, sich hinsichtlich einer Tagesregelung abzustimmen, so dass wenigstens Geschwisterkinder immer am selben Tag zuhause sind (zum Beispiel durch ein einheitliches, nachnamensorientiertes tages- oder wochenweises Wechselmodell), sondern jede Einrichtung ihr eigenes Süppchen kocht, dann fragt man sich wirklich, ob noch der primäre Wille vorherrscht, die Zahlen in Griff zu halten, oder ob es nicht viel mehr darum geht, einfach irgendwas zu machen.

Es regiert Angst, Chaos und Überforderung der Ämter, hervorgerufen durch planlosen Aktionismus der Staatsregierung. Als Betroffene(r) sitzt man hilflos da und sieht zu, wie der Rückhalt in der Bevölkerung für die Maßnahmen (verständlicherweise) sinkt. Bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnis auch irgendwann bei den passenden Stellen ankommt.

Sabine Pöllmann, Eichenau

Ohne jede wissenschaftliche Basis

Aufgrund steigender Sieben-Tage-Inzidenzen wurde im Landkreis Fürstenfeldbruck eine 50-prozentige Schulschließung für die Kinder angeordnet. Sie dürfen nur noch jeden zweiten Tag in die Schule. Auch für Kindertagesstätten wurde ein eingeschränkter Betrieb angeordnet. Sehen wir uns die Zahlen an, so fällt auf, dass die Sieben-Tage-Inzidenzen bei Schülern deutlich niedriger sind als in der Gesamtbevölkerung: Für die letzten sieben Tage gibt das Gesundheitsamt eine Gesamtinzidenz von 79,09 an. Stellt man die Berechnung für Schülerinnen und Schüler an, so beträgt sie bei 27.095 Schulkindern und 10 Infektionen während der letzten Woche nur 36,91 - also weniger als die Hälfte der Gesamtbevölkerung. Besonders krass ist es bei Grundschülern. Dort betrug sie letzte Woche 0,0 (in der Woche davor 8,40).

Kinder sind - wie das Robert-Koch-Institut klar festgestellt hat, keine Treiber der Pandemie. Es gibt keine wissenschaftliche Begründung, Schulen zu schließen. Will man aber nun die Pandemie begrenzen, so muss man Senioren schützen, jedoch nicht Kinder ihrer Bildungschancen berauben.

Eltern haben während des Lockdowns und im folgenden 50-Prozent-Betrieb bis zu den Sommerferien Erstaunliches bewältigen müssen. Jetzt sind die Urlaubstage aufgebraucht, die Überstunden abgebaut. Die Kinder, denen übrigens keine Notbetreuung angeboten werden muss, sind oftmals vormittags allein zu Hause, begleitet von Internet, Fernsehen und Spielekonsolen.

Und das ohne jede wissenschaftliche Basis. Landrat Thomas Karmasin verschanzt sich bei der Begründung seiner Maßnahmen hinter der Bayerischen Corona-Ampel. In dieser ist aber zum Beispiele gar nicht die Rede von Notbetrieben in Kitas. Diese unsinnige und schädliche Regelung hat er sich ganz allein ausgedacht.

Sylvia Kreiß, Gröbenzell

© SZ vom 21.10.2020
Zur SZ-Startseite