Verkehrsprobleme Suche nach dem Brucker Masterplan

Binnen drei Jahren sollen Fachleute, Politiker und vor allem die Bürger die Weichen stellen für ein übergreifendes Verkehrskonzept. Ziel ist es, in einer Stadt der kurzen Wege den Autoverkehr auf ein erträgliches Maß zu reduzieren sowie Radfahren und Gehen zu fördern

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Noch klingt alles reichlich theoretisch. Noch könnte man sich Sorgen machen, dass wieder mal ein dickes Konzept erarbeitet wird, um gleich in irgend einer Schublade zu landen. Doch diesmal haben es die Brucker selbst in der Hand, dass es anders kommt: Wenn sie sich beteiligen, Fragebögen ausfüllen, mit offenen Augen durch die Stadt gehen und ihre Schlüsse ziehen, dann könnte es etwas werden mit dem großen Wurf - mit dem "Brucker Verkehrsentwicklungsplan", der wichtige Weichen für die Stadt stellen soll.

Am Sulzbogen wie auch überall in der Stadt sollen die Belange der Fußgänger und Radfahrer stärker berücksichtigt werden.

(Foto: Günther Reger)

Ziel ist eine Stadt der kurzen Wege, in der man gerne auch mal aufs Fahrrad umsteigt oder etwas zu Fuß erledigt. Vorgestellt wurde das Konzept nun von Oberbürgermeister Erich Raff, dem Brucker Verkehrsplaner Matthias Fiedler, Stadtbaurat Martin Kornacher sowie den drei Experten, die das Projekt mit Leben, Daten und Erkenntnissen füllen sollen: Gebhard Wulfhorst von der Agentur für Standort- und Verkehrsentwicklung, Marianne Pfaffinger von der Umweltprojekt-Agentur Green City sowie Harald Spath vom Münchner Verkehrsplanungsbüro Gevas.

Unter Strom: Bei der Vorstellung der Pläne (v. li.): Marianne Pfaffinger, Matthias Fiedler, Gebhard Wulfhorst, Robert Wickenrieder, Harald Spath, Erich Raff und Martin Kornacher.

(Foto: Stadt Fürstenfeldbruck)

Die Ausgangslage: Es gibt zwar schon einige gute Radwegverbindungen und auch attraktive Fußwege, dennoch ist vor allem der Autoverkehr eine Belastung, die mit Blick auf die zivile Umplanung des Fliegerhorsts und den Bau weiterer Wohn- und Geschäftshäuser dort noch zunehmen dürfte. Seit vielen Jahren gehören die Staus auf dem Marktplatz, der Dachauer, Münchner oder Augsburger Straße zum Alltag. Bei Bürgerversammlungen setzt es regelmäßig harsche Kritik an Rasern und es gibt Klagen über zugeparkte Straßen und Lärm. Den Verkehrsentwicklungsplan sieht Raff deshalb "als einmalige Chance für Bruck". "Wir betreten hier Neuland", ergänzt Fiedler. Statt des Kleinkleins unabgestimmter Einzelmaßnahmen erwartet sich Kornacher einen "Plan für die Mobilität", der nicht an der Stadtgrenze endet, sondern auch die Nachbargemeinden einbezieht. In Kürze soll auf der städtischen Homepage ein Mobilitätsportal eingerichtet werden, als Anlaufstelle und als Informationsquelle.

Die Bürger werden in den nächsten Tagen mit einem Flyer informiert.

(Foto: oh)

Worauf es hinauflaufen könnte, skizziert Wulfhorst, der an der Technischen Universität München über Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung forscht und lehrt. Innerhalb von drei Jahren soll ein Anstoß gegeben werden, der selbständig fortgeführt wird. Nicht das Auto soll im Mittelpunkt stehen, "sondern der Mensch". Der kann durchaus auch mal im Auto unterwegs sein, es geht also nicht um die einseitige Ächtung eines Verkehrsmittels. Es geht vielmehr darum, dem öffentlichen Nahverkehr, dem Rad und auch dem zu Fuß gehen einen höheren Stellenwert zu geben und attraktive Bedingungen dafür zu schaffen, das Auto auch mal stehen zu lassen. Um Carsharing, Elektromobilität, Fahrradverleihsysteme oder das Angebot übergreifender Mobilitätsdienstleistungen zu fördern, bleibt als eines der Steuerungsinstrumente aber durchaus die Parkraumbewirtschaftung. Nachgedacht werden soll beispielsweise über die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer oder über Möglichkeiten, Siedlungen etwa auf dem Fliegerhorst so zu planen, dass im Erdgeschoss fußläufig erreichbare Läden und Gewerbebetriebe und darüber Wohnungen untergebracht werden. Konzepte freilich bedürfen einer stabilen Datengrundlage. Noch in diesem Jahr soll mit den entsprechenden Erhebungen begonnen werden. Harald Spath rechnet damit, dass 2018 die Analyse folgen wird - mit den Hauptzielen "Verkehr vermeiden, Verkehr verlagern, verbleibenden Verkehr schonend abwickeln". 2019 soll der Stadtrat dann über die Umsetzung entscheiden - "dann fängt das Leben an", so Spath.

Zentrale Bedeutung kommt einem Fragebogen zu, der der am 21. Juni erscheinenden Ausgabe des Rathausreports beigelegt wird. Die Brucker sollen auf ihm alle Strecken, die sie am 27. Juni zurücklegen, vermerken sowie die jeweils gewählten Verkehrsmittel. Ergänzt wird die Erhebung durch Verkehrszählungen an Ein- und Ausfallstraßen, um beispielsweise auch die Einpendler zu berücksichtigen. Neben Beteiligungsmöglichkeiten via Internet (das "Online-Crowdmapping" soll am 19. Juni beginnen) organisiert Marianne Pfaffinger im September mehrere Stadtrundgänge, die teilweise auf die Bedürfnisse von Jugendlichen sowie von Senioren zugeschnitten sind.

Weitere Informationen zum Fürstenfeldbrucker Verkehrsentwicklungsplan gibt es im Internet unter www.brucker-stadtgespraeche.de