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Verkehrsberuhigungsaktion und Streitfall Barrierefreiheit:Leserbriefe

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Viel Spaß der Teilnehmer

Zu "Mit Rikscha und Lastenrad" (3. August) und "Aufregung über Verkehrsberuhigung" (5. August):

Der Aktionstag wurde von der CSU-Stadtratsfraktion besonders beachtet. Ihr Ex-Bürgermeisterkandidat und jetzige Zweite Bürgermeister Maximilian Gigl, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maria Hartl, der Gewerbereferent Marcel Gemmeke und Stadtrat Helmut Dellinger nahmen sich am Samstagvormittag Zeit, den von den Grünen und der ÖDP veranstalteten Aktionstag zu beobachten. Was wollten sie sehen, wenn die Grünen und die ÖDP etwas organisieren?

Sie haben 70 Fahrradfahrer als Teilnehmer gezählt. Die Veranstalter sprechen von insgesamt 19. Sie haben Chaos, Provokationen, eine unüberblickbare Verkehrslage und gefährdete Menschen erlebt. Diese Zustände, die leider auch an anderen "normalen" Samstagen in der Olchinger Hauptstraße zu beobachteten sind, wollen sie deshalb nicht tatenlos zusehen und beantragen, dass der zweite Aktionstag abgesagt werden soll. Ich habe weder gehört noch gelesen, dass es zu einem durch einen Fahrradfahrer verursachten Unfall gekommen ist. Gelesen habe ich, dass ein 61-Jähriger an der Aktion teilnehmender Fahrradfahrer durch einen rücksichtslosen Autofahrer verletzt wurde.

Ich habe viel Spaß der Teilnehmer erlebt und einzelne Kritik, aber auch viel Zustimmung gehört. Ein Gröbenzeller erzählte mir, dass die Innenstadt von Olching für Fahrradfahrer eine Zumutung sei. So empfinde ich das auch. Drei kurze Fahrradstraßen - weit entfernt vom Zentrum - sind ein erster kleiner Anfang. Sicherlich lief bei diesem Aktionstag nicht alles optimal. So muss ich Herrn Dellinger recht geben, wenn einige Fahrradfahrer und Kinder in Anhängern und Lastenrädern keine Helme trugen. Hier fehlte es an Verantwortungsbewusstsein mancher Teilnehmer. Das war nicht vorbildhaft. Auch ist nicht einsehbar, dass Parkplätze - ohne sonstige Nutzung - gesperrt werden. Warum haben die Geschäfte (außer Wagner und Rackl) nicht den zusätzlichen Raum ähnlich wie an Marktsonntagen genutzt?

Ich hoffe, dass mit mehr Vorbereitungszeit viele kreative Ideen beim nächsten Aktionstag stattfinden, das Auto seine "überragende" Bedeutung in der Hauptstraße verliert und wir (Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer) uns gleichberechtigt diesen Abschnitt der Straße teilen.

Manfred Kerber, Olching

Befremdliche Haltung

Zu " Streitfall Barrierefreiheit" (5. August):

Auf die Haltung der Gemeine Gröbenzell kann man nur mit Befremden reagieren. Die Darstellung wie auch das genannte Gerichtsgutachten machen klar: Eine von der Gemeinde als behindertengerecht vermietete Wohnung ist in einem Teilbereich (Terrasse) nicht behindertengerecht. Dies bedeutete für die auf den Rollstuhl angewiesene Mieterin nicht nur eine Einschränkung, sondern sogar eine Gefährdung, weshalb ein Umbau unumgänglich war. Nicht genug, dass die zuständigen Stellen der Gemeinde Gröbenzell den Mangel nicht erkannten, geschweige denn von sich aus behoben, als er gemeldet wurde, was beides normal gewesen wäre. Sondern statt diesen Selbstverständlichkeiten nachzukommen, wird die Mieterin erstens mit der Gefährdungssituation allein gelassen, so dass ihr nichts anderes übrig bleibt, als in eigener Initiative und auf eigene Kosten die Behebung des Mangels herbeizuführen. Und zweitens - das setzt dem Ganzen die Krone auf - wird diese Lösung von der Gemeinde Gröbenzell nicht akzeptiert, sondern ein Rückbau gefordert sowie ein jahrelanger Rechtsstreit angezettelt. Stattdessen wäre eine nachträgliche Kostenübernahme durch die Gemeinde durchaus angemessen gewesen.

Die bisher vorgetragenen Argumente der Gemeinde Gröbenzell sind fadenscheinig. Das gerichtliche Gutachten spricht dagegen. Deshalb fragt man sich, worum es hier eigentlich geht. Es scheint wohl nur darum zu gehen, dass jemand oder einige von den Verantwortlichen der Gemeinde Gröbenzell das Bedürfnis haben zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Dies auf Kosten der Zeit, Kraft und Lebensqualität einer Mitbürgerin mit schwerer Behinderung. Oder es ist purer Bürokratismus, bestehend in der Weigerung, die sicher vorhandenen Entscheidungsspielräume zum Wohle einer Mitbürgerin auszuschöpfen. Diese Haltung befremdet und ist abzulehnen. Ich hoffe, dass zahlreiche Bürgerinnen und Bürger dies ihrer Gemeinde deutlich machen, indem sie sich jetzt zu Wort melden, oder zum Beispiel auch bei zukünftigen Wahlen.

Luise Mathes, Kissing

© SZ vom 10.08.2020
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