Verhandlung  Koffer voller Geld verschwunden

Ehepaar soll mit Anzeigen zum Ankauf von Antiquitäten und Schmuck gezielt ältere Menschen angelockt und um hohe Beträge betrogen haben. Eine Puchheimerin beklagt Verlust von rund 200 000 Euro

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Vor ihrem Umzug ins Pflegeheim wollte sie ein paar ihrer Antiquitäten verkaufen. Da kam der damals 90-Jährigen die Anzeige im Amper-Kurier wie gerufen. Die dort inserierende "Sammlerin" suchte Antiquitäten und Schmuck. Als die Sammlerin mittleren Alters die alte Dame jedoch im Juni 2012 wieder verließ, hatte sie statt alten Möbeln eine Menge Bargeld dabei. Bis zu 200 000 Euro soll die Fremde der Seniorin zufolge aus ihrer Wohnung mitgenommen haben, um sie für die Puchheimerin in der Schweiz anzulegen. Gesehen hat die inzwischen unter Betreuung stehende Puchheimerin nichts mehr von ihrem Geld. Ihr Fall ist der Hauptanklagepunkt in einem Verfahren wegen Betrugs gegen ein Ehepaar aus Moers.

Den 52 und 56 Jahre alten Angeklagten wird zur Last gelegt, gemeinsam immer nach der selben Masche mit Zeitungsannoncen zum Ankauf von Antiquitäten und Schmuck gezielt nach Opfern im fortgeschrittenen Alter gesucht zu haben. Ziel sei es stets gewesen, sich das Vertrauen der Verkäufer zu erschleichen, um dann problemlos deren Vermögenswerte mithilfe erfundener Geschichten abzugreifen. Die Anklage wirft den Beiden, die mit vier Anwälten vor Gericht erschienen und sich nicht zu den Vorwürfen äußerten, Betrug in drei Fällen vor. Neben dem Geld der Puchheimerin - laut Anklage 170 000 bis 200 000 Euro - sollen sie noch einer Dame in Oberhaching Schmuck im Wert von 3000 Euro abgenommen haben, ohne dafür etwas zu bezahlen, und einem Senior in Zürich eine Goldmünze für 100 Euro. Dem 56-Jährigen wird außerdem der unerlaubte Besitz eines Messers und ein weiterer Betrug vorgeworfen. Er soll 100 Euro für eine Zeitungsannonce nicht bezahlt haben.

Das Messer war bei Wohnungsdurchsuchungen der Angeklagten in Moers und Göttingen gefunden worden, wie ein Kommissar der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck in der Verhandlung berichtete. Der hatte damals nach dem Vorfall in Puchheim die Ermittlungen begonnen. Ende 2012 habe ein Kollege aus Göttingen einen ähnlichen Fall gemeldet: Senioren reagierten auf eine Zeitungsannonce, um Antiquitäten zu veräußern, wurden misstrauisch und wandten sich an die Polizei. Zwei derartige Anrufe gingen auch bei der Polizeiinspektion Gröbenzell ein. Der Abgleich der Handynummern in der Annonce im Amper-Kurier und in Göttingen ergab, dass es die selbe Telefonnummer war, mit der auch andere Geschädigte telefoniert hatten. Zudem wurde bei der Hausdurchsuchung in Moers "eine Visitenkarte, typgleich" mit jener, die die Sammlerin bei der Puchheimerin hinterlassen hatte, gefunden. Einige der Geschädigten hätten die Angeklagten zudem zweifelsfrei identifiziert und in Luxemburg sowie in Zürich, ermittele man wegen Trickdiebstahl gegen das Paar, resümierte der Kommissar.

Die Verteidiger zweifelten unterdessen den Geisteszustand der Puchheimerin an. Die entscheidende Frage bleibe, "ob das Geld überhaupt da war", unterstrich einer der Vier. Das zu beweisen ist leider drei Jahre später nicht so leicht, zumal die heute 93-Jährige inzwischen geistig stark abgebaut hat. Zwei Polizisten, die sie noch im Juni 2012 vernommen hatten, hielten sie für verwirrt, eine Nachbarin ganz und gar nicht. Ein Ermittlungsrichter vernahm die Puchheimerin erst vor einem Jahr, da war ihre Aussage bereits zu widersprüchlich.

Doch diese Nachbarin, die die Angeklagte bei der Polizei aus mehreren Fotos identifiziert und sie damals auch durch den Spion an der Wohnungstür fotografiert hatte, beschrieb die Puchheimerin als geistig sehr rege, als sie 2012 noch alleine lebte. Sie berichtete von großen Geldbeträgen, die die Seniorin zu Hause gelagert habe. Bisweilen habe sie ihr beim Zählen geholfen oder sie begleitet, wenn sie wieder Bargeld von der Bank abgeholt habe. Die Zeugin nannte verschiedene Beträge zwischen 50 000 und 110 000 Euro. "Sie hat immer wieder was anderes erzählt", erklärte sie die Unterschiede vor Gericht. Die Verhandlung am Amtsgericht in Fürstenfeldbruck wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen an diesem Dienstag fortgesetzt.