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Unterkünfte für Flüchtlinge:Landkreis baut Quartiere für 200 Flüchtlinge

Auf Eis gelegte Vorhaben in Gröbenzell und Adelshofen werden umgesetzt, weil für andere Objekte Mietverträge auslaufen

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Landrat Thomas Karmasin (CSU) kann die Planungen zum Bau von Flüchtlingsunterkünften in Gröbenzell, Maisach, Adelshofen und Hattenhofen vorantreiben. In den vier Kommunen sollen bis zum Sommer oder Herbst des kommenden Jahres Quartiere für insgesamt rund 200 Asylbewerber entstehen. In diese ziehen allerdings keine neue Flüchtlinge ein. Das wäre auch nicht möglich, da die Regierung von Oberbayern dem Landratsamt bereits seit April dieses Jahres keine weiteren Schutzsuchenden mehr zugewiesen hat. Es geht darum, Flüchtlinge zu verlegen, weil die Verträge für angemietete Wohnungen und Häuser auslaufen oder nicht verlängert werden.

Nicht mehr verlängern will der Landkreis beispielsweise den Mietvertrag für das ehemalige Hotel am Mühlbach in Olching, in dem zurzeit etwa 120 Asylbewerber wohnen. Die Unterbringung in dem Hotel gilt als für Flüchtlinge überdurchschnittlich teuer und war nur eine Notlösung. Zudem haben die dort lebenden Menschen keine Kochmöglichkeiten. Sie werden von einem Caterer versorgt, was immer wieder Probleme und Beschwerden nach sich zieht. So erhalten Flüchtlinge, deren Essen geliefert wird, weniger Taschengeld. Laut Andreas Buchner, Asylkoordinator im Landratsamt, wird das Hotel noch in diesem Jahr geräumt, anschließend muss es renoviert werden. Allerdings wird versucht, für diese Flüchtlinge in Olching neue Quartiere zu finden.

Dem Bau einer Wohncontaineranlage für insgesamt 54 Menschen auf dem der Gemeinde gehörenden Klosteranger in der Ortsmitte hatten die Adelshofener bereits bei einem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit zugestimmt. Über eine Baugenehmigung für die Wiese verfügt das Landratsamt ebenfalls, und auch der Pachtvertrag mit der Gemeinde wurde bereits ausgehandelt. Deshalb gilt dieses Bauvorhaben als relativ unproblematisch. Auch über den Bau einer Containeranlage in Hattenhofen für 48 Flüchtlinge in der Benno-Heinrich-Straße besteht zwischen dem Landratsamt und der Gemeinde Einigkeit.

Diese beiden Vorhaben waren fast baureif, als die Regierung von Oberbayern im Frühjahr überraschend die Akquise oder den Bau von weiteren Flüchtlingsimmobilien gestoppt hatte. Landrat Karmasin war damals bestrebt, auf Vorrat weiter zu planen. Er wollte gewappnet sein, sollten die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen. So ließ der Landkreischef zum Beispiel in Gröbenzell nicht locker, auch weil er mit der Gemeinde über die Erfüllung der Aufnahmequote im Clinch lag. Nachdem Karmasin im Gröbenzell auf mehreren privaten Grundstücken mit Bauvoranfragen zur Errichtung von Wohncontainern gescheitert war, verfügt er nun für ein Areal im Bereich der Zweig-/Augsburger Straße über eine Baugenehmigung und das Einvernehmen der Gemeinde. Allerdings regt sich dort Widerstand aus dem Kreis der Anwohner. Trotzdem will das Landratsamt nun mit der Gröbenzeller Rathausverwaltung über einen Pachtvertrag für das der Gemeinde gehörende Areal in der Zweigstraße verhandeln und das Vorhaben umsetzen. In Maisach sucht das Landratsamt noch nach geeignetem Baugrund. Das alles geschieht inzwischen wieder mit der Zustimmung der Regierung. Ungeklärt ist noch, ob der Landkreis die neuen Wohnquartiere selbst errichtet oder von Investoren bauen lässt. Laut dem Asylkoordinator Buchner ist beides möglich. Ohne die Dependance im Fliegerhorst leben zurzeit im Landkreis 2098 Asylbewerber.

© SZ vom 18.10.2016
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