Statt einer Fertigstellung 2022 Barrierefreiheit verschoben

Stadtrat sowie Behinderten- Seniorenbeirat fordern einen neuen Außenbahnsteig, der leichter zu erreichen sein soll als der Mittelbahnsteig.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Umbau des Puchheimer Bahnhofs verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Das macht eine Anfrage des Grünen Martin Runge an die Staatsregierung deutlich. Diese macht die Kommune verantwortlich

Von Peter Bierl

Der barrierefreie Umbau des Puchheimer Bahnhofs wird nicht 2022 fertig, sondern verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Das geht aus der Antwort hervor, die der Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne) auf eine Anfrage hin von der bayerischen Staatsregierung bekommen hat. Aus Sicht der Regierung ist die Stadt daran schuld, weil sie eine andere Variante des Ausbaus möchte. Dazu verlangt das CSU-geführte Verkehrsministerium vom Stadtrat einen neuen Beschluss über die geänderte Planung. Runge kritisiert die Verzögerung und nannte es eine "Frechheit", den Schwarzen Peter der Kommune zuzuschieben.

Denn Stadtrat sowie Behinderten- und Seniorenbeirat wollten immer schon einen neuen Außenbahnsteig auf der Nordseite der Gleise haben. Dieser wäre günstig zu bauen und noch mit kurzen Rampen erreichbar, wenn ein Aufzug kaputt ist. Stattdessen drückten Staatsregierung und Bahn AG der Kommune 2015 eine neue Fußgängerunterführung auf, von der aus ein Lift zu einem halbseitig um 20 Zentimeter erhöhten Mittelbahnsteig führen würde. Während der Stadtrat einknickte, protestierten Behinderten- und Seniorenbeirat hartnäckig jahrelang weiter. Im Vorfeld der Landtagswahl signalisierte die Regierung Gesprächsbereitschaft.

Mitte November trafen sich Vertreter der Beiräte und Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) im Ministerium. Dabei soll ihren Angaben zufolge der leitende Beamte den Kurswechsel verkündet haben: Der Außenbahnsteig soll noch einmal geprüft werden, der Umbau werde sich dadurch um ein Jahr verschieben, auf keinen Fall aber in der Prioritätenliste nach hinten zurückfallen. Einige Tage später hörte sich das schon anders an: Auf einer Informationsveranstaltung im Puchheimer Rathaus erklärte der Leiter der Projektgruppe Bahnausbau München im Verkehrsministerium, Frank Kutzner, sichtlich genervt, man müsse nun mit der Planung wieder "von vorne" anfangen, der Umbau werde bis 2021 nicht vonstatten gehen. Etliche Bürger warfen ihm Erpressung und einen "unverschämten Tonfall" vor.

Nun ist die Verschiebung auf unbestimmte Zeit offiziell. Der Brief aus dem Ministerium, in dem der Stadtrat zu einer neuen Abstimmung aufgefordert wird, ist von Kutzner unterzeichnet. Runge hält das Vorgehen für unmöglich, weil der Stadtrat nie einen Zweifel daran hat aufkommen lassen, welche Variante er favorisiert.

Eigenartig auch, dass die Planung angeblich von vorne beginnen muss. Denn vor Jahren schon wurde eine umfangreiche Machbarkeitsstudie mit elf Varianten erarbeitet und sogar von der Stadt Puchheim mit bezahlt. An dem Tag, als der Planungsausschuss des Stadtrates 2015 für den Außenbahnsteig votierte, teilte das Ministerium telefonisch mit, dass die Bahn AG den Mittelbahnsteig behalten will. Der Stadtrat beugte sich der Vorgabe unter Protest. In der Antwort des Ministeriums an Runge wird diese Vorgeschichte unterschlagen.

Der Landtagsabgeordnete kritisiert, dass Staatsregierung und Bahn AG einen Umbau als barrierefrei verkaufen wollen, der mobilitätseingeschränkten Menschen nicht gerecht werde: Die neue Unterführung würde mit 2,50 Meter sehr schmal und nicht einsehbar, "also ein dunkler Schlund". Der Zugang zur Unterführung sei mit über 77 Meter Rampen zu lang und sollte der Aufzug ausfallen, "was bekanntlich bei Aufzugsanlagen der DB AG viel zu oft passiert", kämen mobilitätseingeschränkte Menschen gar nicht auf den Mittelbahnsteig. Außerdem spreche gegen die "Mittelbahnsteiglösung", dass die Strecke zwischen Pasing und Bruck angesichts des Verkehrsaufkommens viergleisig ausgebaut werden müsse und nicht bloß dreigleisig. Dafür müsste der Mittelbahnsteig komplett entfernt werden.