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Reder wir über:Die fatalen Folgen der Handelsdeals

Antonio Andrioli

Der brasilianische Ökonom Antônio Andrioli.

(Foto: Silvia Liebrich)

Brasilianer Antônio Andrioli warnt vor globaler Umweltzerstörung

Die EU schließt ein Handelsabkommen mit Südamerika, das die Umweltzerstörung vorantreiben wird. So sieht es der brasilianische Ökonom Antônio Andrioli , der über den Einsatz von Pestiziden und Gentechnik in der Landwirtschaft forscht. Andrioli spricht an diesem Dienstag darüber in Bruck.

SZ: Warum hat Präsident Jair Bolsonaro verhindert, dass Sie Rektor der Universität von Rio Grande do Sul wurden?

Antônio Andrioli: Ich wurde von den Kollegen gewählt, aber Bolsonaro hat jemand anderen ernannt, gestützt auf ein Gesetz aus der Zeit der Militärdiktatur. Vor der Wahl habe ich Morddrohungen bekommen. Das ist Teil der Repression im Land. Es ist ein autoritäres Regime, das die Menschenrechte mit Füßen tritt und den Regenwald zerstören lässt. Es ist schlimm, dass die deutsche Regierung mit Bolsonaro kooperiert. So hat das Bundesministerium für Zusammenarbeit im Herbst 81 Millionen Euro zugesagt. Dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ihrer brasilianischen Amtskollegin bei der Grünen Woche eine große Bühne geboten hat, ist skandalös, denn die vertritt eine Regierung, die sich offen gegen Umweltschutz und Menschenrechte ausspricht und nur die Interessen der Großgrundbesitzer durchsetzt.

Was kritisieren Sie an dem neuen Handelsabkommen Mercosur?

Die Zölle für Autos, Schokolade oder Milchprodukte aus der EU und im Gegenzug für Agrartreibstoffe, Zucker oder Rindfleisch aus Südamerika werden gesenkt. Dabei sind die Umweltstandards in Südamerika niedrig, es werden Gifte von Bayer und BASF flächendeckend in der Landwirtschaft eingesetzt, die in der EU längst verboten sind. Die EU wird noch mehr gentechnisch manipuliertes Soja aus Monokulturen für die Massentierhaltung importieren. Das fördert in Südamerika Konzentrationsprozesse in der Landwirtschaft. Profitieren werden die Großgrundbesitzer, während Kleinbauern und Indigene ihr Land verlieren werden, noch mehr Regenwald wird gerodet. Mercosur fördert Hunger, Elend und Umweltzerstörung.

Was wäre die Alternative?

Kleinbäuerliche Strukturen müssen gefördert werden, eine regionale Versorgung für die Menschen statt Produkte in riesigen Monokulturen für den Export anzubauen. Inzwischen müssen deswegen Schwarzbohnen, ein Hauptnahrungsmittel in Brasilien, importiert werden.

Antônio Andreoli spricht auf Einladung von Campo Limpo, Sozialforum und Bund Deutscher Milchviehhalter; Dienstag, 19.30 Uh, Pfarrsaal Sankt Bernhard, Rothschwaiger Straße 53, Fürstenfeldbruck;

© SZ vom 10.03.2020
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