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Pläne werden konkret:Ein Hospiz für ganz Oberbayern

Geförderte Projekte

Pro Jahr schüttet die Sozialstiftung Germering etwa 25000 Euro für Projekte aus. Von Juni 2017 bis September 2018 waren es 23 000 Euro. Eleanor Reis vom Stiftungsvorstand hat sie aufgelistet.

Seit vielen Jahren erhält die Aktion "Gemeinsam kochen - gemeinsam essen" Zuschüsse, die Kindern und Jugendlichen gesundes Essen nahe bringen will. Geld geht auch an die Projekte "Coaching für Mittelschüler" und "Ehrenamtliche Dolmetscher und Integrationslotsen" der Stadt. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) bekommt einen Zuschuss für ihre Hausaufgabenhilfen an Germeringer Grundschulen, ebenso die Aktion "Schultüte".

An der Eugen-Papst-Schule, einer Förderschule, werden fortlaufend die Projekte "BE.IN - Begabung und Interesse" unterstützt, ebenso der Schulgarten und die Aktion "Wir entsorgen - ohne Sorgen". Dabei bringen Schüler der 7. bis 9. Jahrgangsstufe die Wertstoffe älterer oder in der Mobilität eingeschränkter Leute unentgeltlich zu den Wertstoffhöfen.

Einmalig wurde die Projektwoche "Zirkuskünste für Schüler" gefördert. Die Konrektoren der Schule, Claudia Schleske und Fritz Reichel, zeigten bei der Versammlung dazu einen Film.

Die Kindertagesstätte Sonnenschein erhielt Bücher, Legematerialien und Material für den Tonbrennofen. Für den Integrativen Kindergarten Sankt Anna wurden spezielle Fahrzeuge angeschafft, die die Koordination schulen und den Gleichgewichtssinn stärken. Geld ging auch an eine Familie mit vier Kindern, deren Vater schwer behindert ist, sie konnte davon eine Waschmaschine anschaffen, sowie an zwei alleinerziehende Mütter, die so ein Jugendbett, Sportbekleidung und Brillen für Zwillingsbuben kaufen konnten.

Aus der Unterstiftung von Gretel und Karl Walcher gingen 2800 Euro an eine 5. Klasse der Wittelsbacher Mittelschule für zusätzlichen Musikunterricht und den Kindergarten Sankt Anna. Aus der Hildegard-Kestel-Stiftung, ebenfalls eine Unterstiftung, wurden 2600 Euro für Hausaufgabenbetreuung an den Grundschulen und einen Musikkurs für kleine Kinder im Frauen- und Mütterzentrum "Mütze" gespendet. IHR

Sozialstiftung rechnet mit Baubeginn in Germering im kommenden Jahr. Auch ein Frauenhaus und Wohnungen sollen errichtet werden. Finanziell ist die Stiftung gut aufgestellt

Wenn alles glatt läuft, wird die Sozialstiftung Germering im kommenden Jahr mit dem Bau von Hospiz und Frauenhaus in Germering beginnen. Wie Marcus Breu vom Vorstand der Stiftung kürzlich bei der Stiftungsversammlung sagte, ist der Bebauungsplan im Juli vom Stadtrat genehmigt worden. Wenn das Verfahren abgeschlossen sei, könne man mit den Architekten in die konkrete Planung einsteigen. Das Hospiz soll über acht Zimmer verfügen. Die Stiftung arbeitet eng mit dem Hospizverein zusammen.

Breu unterstrich die große Bedeutung, die einem Hospiz in Germering nicht nur für die Stadt und den Landkreis, sondern für ganz Oberbayern zukomme. Denn in Bayern gebe es mit elf stationären Plätzen pro einer Million Einwohner viel zu wenige Plätze. "Man bräuchte 50 Plätze pro einer Million", sagte Breu. Bayern liege, was die Versorgung angehe, bundesweit auf einem der hinteren Plätze. Das Hospiz soll Schwerkranke und Sterbende aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Dachau, Landsberg am Lech und Starnberg aufnehmen. Es werde Germering sehr bereichern, sagte Manuela Kreuzmair, die stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende.

Am selben Standort wie das Hospiz, an der Unteren Bahnhofstraße 22 in der Nähe des Rathauses, soll auch das neue Frauenhaus entstehen. Bei dessen Errichtung arbeitet die Stiftung mit dem Verein "Frauen helfen Frauen" zusammen, ein Raumplan sei schon zur Verfügung gestellt worden, sagte Breu. Stephan Reinhold, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, nannte beides "bahnbrechende Projekte. Beides wird über viele Jahre Bestand haben."

Er habe kürzlich mit dem Vorsitzenden der Opferschutzorganisation Weißer Ring, Klaus Frank, gesprochen. Der frühere Germeringer Polizeichef habe ihm das erschütternde Ausmaß der häuslichen Gewalt beschrieben, von der vor allem Frauen betroffen seien. Breu sagte: "Die Gesellschaft muss den Frauen Schutz bieten." Aus der Versammlung war die Frage gekommen, ob es in Germering wie in Fürstenfeldbruck Widerstände gegen das Projekt gebe. In der Kreisstadt war der Bau eines Frauenhauses gescheitert. Davon sei ihnen nichts bekannt, sagten Kreuzmair und Reinhold. Beim Bau von Frauenhäusern hat sich die Strategie geändert. Während früher die Standorte der Häuser geheim gehalten wurden, werden sie nun öffentlich gemacht. Dafür würden die Sicherheitsvorkehrungen an den Häusern selbst erhöht, erklärte Breu.

Zusätzlich zu Hospiz und Frauenhaus sollen an dem Standort auch günstige Wohnungen entstehen, "für junge Polizisten, Pfleger und anderes Personal", sagte Reinhold. "Ob es dann wirklich die 29 Wohnungen werden, die wir vorhatten, glaube ich eher nicht, aber man muss sich auch mal was vornehmen." Das Grundstück für das Projekt hat Gabriele Strobl an die Stiftung übertragen.

Die Sozialstiftung Germering ist durch Zustiftungen enorm gewachsen, wie Reinhold berichtete. In den vergangenen zwei Jahren habe sich der Umfang nahezu verdoppelt. Das Stiftungsvermögen beläuft sich demnach auf etwa zehn Millionen Euro, teils in Form von Immobilien, zwei weitere Millionen seien zugesagt. "Der niedrige Zins macht uns Probleme, aber die umschiffen wir", sagte Reinhold. Es sei eine Möglichkeit gefunden worden, wie die Stiftung das Geld aus den Zustiftungen direkt nutzen könne. "Wir haben so auch Kapital, das wir nutzen können." Der größte Teil des Stiftungsvermögens ist für Hospiz und Frauenhaus zweckgebunden.

Für den Betrieb der beiden Einrichtungen würden weitere Spenden und Zustiftungen gebraucht, sagte Johannes Rauter vom Stiftungsvorstand. Er und seine Vorstandskollegin Eleanor Reis dankten allen großen und kleinen Stiftern und Spendern. Derzeit arbeitet die Stiftung auch an einer neuen Satzung. Sie soll bis Ende des Jahres fertig werden und es beispielsweise erlauben, Einladungen per E-Mail an die 153 Mitglieder der Stiftung zu versenden.