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Öffentlicher Nahverkehr:Expresszüge und Viertelstundentakt

Innenminister Joachim Herrmann kündigt Verbesserungen für die S-Bahn-Linien im Landkreis an. Kritiker befürchten aber, dass manche Neuerungen nicht vor der Fertigstellung des zweiten Tunnels realisiert werden

Das Drei-Phasen-Papier des bayerischen Verkehrsministers Joachim Herrmann (CSU) sorgt für Ärger. Befürchtet wird, dass der Ausbau der S 4 verschoben wird, bis der zweite S-Bahn-Tunnel in München 2026 vollendet ist. Eine "Bankrotterklärung der bayerischen Verkehrspolitik", rügt der SPD-Landtagsabgeordnete Herbert Kränzlein. Dagegen versicherte sein Kollege Reinhold Bocklet (CSU): "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen." Er geht davon aus, dass mit dem Ausbau früher begonnen werde. Außerdem stellt das Konzept einige Neuerungen für die S-Bahnen im Landkreis vor 2026 in Aussicht. So sollen in Bruck und Puchheim sowie Althegnenberg und Haspelmoor Express-S-Bahnen halten. Auf allen drei S-Bahn-Linien ist ein ganztägiger Viertelstundentakt vorgesehen. Allerdings verkehren die Züge in Germering und Gröbenzell im morgendlichen Berufsverkehr jetzt im Zehn-Minuten-Takt.

Die Oberste Baubehörde hat einen Arbeitskreis Bahnausbau einberufen, dem Vertreter der Landkreise angehören. In einer Sitzung Mitte Mai stellte ein Vertreter des Ministeriums den Drei-Phasen-Plan vor. Das Papier muss noch dem Kabinett und dem Verkehrsausschuss des Landkreises vorgelegt werden. Über die Aspekte, die Fürstenfeldbruck betreffen, informierte Landrat Thomas Karmasin (CSU) unlängst den Energieausschuss.

Für Ärger sorgt, dass der Ausbau der S 4 in dem Papier erst in der dritten Phase genannt wird, wenn die zweite Röhre in der Landeshauptstadt 2026 fertig gebaut sein wird. Die Planungen laufen bereits, heißt es, aber das wurde im vergangen Vierteljahrhundert mehrfach erklärt. Es soll bei einem dreigleisigen Ausbau zwischen Pasing und Eichenau bleiben, was von der Bürgerinitiative "S 4-Ausbau jetzt" als unzureichend kritisiert wird. Vorgesehen ist, nach 2026 der Pasinger Bahnhof um einen Bahnsteig zu erweitern, um den Engpass aus Richtung Augsburg zu entschärfen.

Kränzlein kritisiert, dass der Minister seit Jahren verkündet habe, der Ausbau der S4 habe oberste Priorität und Ministerpräsident Horst Seehofer immer wieder versichert habe, dass keine anderen Projekte unter der Münchner Megaröhre leiden werden. Innenminister Herrmann hatte bei seiner Fahrt von Bruck nach München im Frühjahr 2014 davon gesprochen, dass beide Projekte gleichzeitig fertig werden sollen. Allerdings war zuletzt, etwa in einer Antwort an den CSU-Abgeordneten Thomas Goppel im April, davon nicht mehr die Rede. Betont hatte Herrmann stets, dass der Tunnel Priorität habe. Sollte es zu einer Verschiebung des Ausbaus der S 4 kommen, wäre jene "Kannibalisierung" eingetreten, vor der Kritiker des Münchner Tunnelprojekts gewarnt hatten.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Bocklet betont hingegen, dass der Drei-Phasen-Plan lediglich im Entwurf vorliege, über den weiter diskutiert werde. "Das ist nicht der endgültige Plan." Es sei schwierig, Zeitangaben zu machen, weil der Ablauf kompliziert sei: Vorplanung, Planung, Planfeststellung, die Möglichkeit von Klagen, Ankauf von Grundstücken, die von der Bahn AG schon verkauft worden seien. Dennoch geht Bocklet davon aus, dass der Bau an der S 4 beginne, bevor die Münchner Röhre fertig sein wird.

Was die übrigen Angaben in dem Papier des Ministers betrifft, muss sich zeigen, was für die Pendler unterm Strich herauskommt. Jedenfalls soll das Angebot größer werden. Die erste Phase vor Fertigstellung der zweiten Stammstrecke enthält nichts Neues: Am Brucker Bahnhof soll bis Ende 2020 ein neuer Bahnsteig auf Gleis 1 errichtet und der Puchheimer Bahnhof bis Ende 2012 barrierefrei umgebaut werden. In der zweiten Phase soll auf der S 4 ganztägig ein Viertelstunden-Takt bis Buchenau eingerichtet werden, anstelle von bisher 20 Minuten im Berufsverkehr. Außerdem soll eine Regional-S-Bahn von Buchloe aus im 30-Minuten-Takt in Bruck und Puchheim halten. Damit hätte man einen 10-Minuten-Stolpertakt an den beiden Stationen, die von den meisten Pendlern genutzt werden.

Bislang hatten Bahn AG und Ministerium ähnliche Lösungen, die der Landkreis schon vor Jahren vorgeschlagen hatte, stets als Stückwerk oder mangels Kapazitäten als undurchführbar verworfen. Allerdings würde, geht es nach dem Drei-Phasen-Plan, die Infrastruktur bis 2020 schon etwas verbessert, argumentiert Hermann Seifert, der ÖPNV-Beauftragte im Landratsamt: Die Elektrifizierung der Strecke Geltendorf-Lindau, der neue Bahnsteig in Bruck und die zweite Stammstrecke böten einige Möglichkeiten. Dank des zusätzlichen Bahnsteigs ergebe sich etwa in Bruck eine weitere Stelle für Überholungen.

Auf der S 3 sollen die Züge ab 2026 im 15-Minuten-Takt fahren, jetzt gibt es allerdings am Morgen einen 10-Minuten-Takt in Maisach, Gröbenzell und Olching. Dazu soll eine Express-S-Bahn im Halbstunden-Takt von Mering oder Augsburg aus Althegnenberg, Haspelmoor und Mammendorf bedienen. Die S 8 nach Herrsching soll auf einen 15-Minuten-Takt umgestellt und Express-S-Bahnen ab Herrsching eingesetzt werden. Das bedeutet eine klare Verbesserung für die Stationen stadtauswärts hinter Germering. In der Stadt gibt es allerdings jetzt einen regulären 10-Minuten-Takt im morgendlichen Berufsverkehr.

Große Firmen im Münchner Norden wie etwa BMW drängen darauf, dass der ÖPNV ausgebaut wird, damit ihre Mitarbeiter nicht im Stau stecken bleiben. Auf diesen Druck ist auch zurückzuführen, dass Stadtplaner in München einen Nordring erwägen, der von Olching über Gröbenzell nach Milbertshofen und Freimann bis Trudering führen könnte.

© SZ vom 27.06.2017

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