Mögliche Altlast Im Blindflug

Bis 2011 wurde auf dem Brucker Fliegerhorst ein mit Chemikalien belasteter Löschschaum eingesetzt. Ob von diesem noch Gesundheitsgefahren ausgehen wie in Manching, ist völlig offen. Denn es gibt keine Messungen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Das Gelände des Fliegerhorsts dürfte in Teilbereichen durch den bereits einige Jahre zurückliegenden Einsatz von Löschschaum kontaminiert sein. Eine konkrete Verseuchung des Grundwassers lässt sich aber nicht belegen. Das ergibt sich aus der Antwort auf eine SZ-Anfrage an die Bundeswehr sowie das auf dem Fliegerhorst stationierte Dienstleistungszentrum. Zivile Behörden räumen freilich auch ein, dass sich eine Entwarnung mangels Messergebnissen ebenfalls nicht geben lässt.

Als sicher gilt, dass die Anfang 2017 endgültig abgezogene Fliegerhorstfeuerwehr auch in Bruck belasteten Löschschaum eingesetzt hat.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Es geht um per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC), die im Löschschaum enthalten waren, den Flughafenfeuerwehren an vielen Bundeswehrstandorten verwendet haben. Der Bayerische Rundfunk hatte jüngst über den Fall Manching berichtet und Wissenschaftler zitiert, die mutmaßten, "dass die Stoffe dem Menschen schaden" - sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. PFC-haltiger Löschschaum, heißt es, sei jahrzehntelang praktisch auf allen Flugplätzen der Bundeswehr eingesetzt worden und habe zu einer Belastung von Böden und Grundwasser geführt. Landwirte, die Felder in Nachbarschaft der Stadt- und Landebahn bei Manching bewirtschaften, dürfen nun kein Grundwasser mehr zum Bewässern verwenden, Grundstückseigentümer müssen Erdaushub als Sondermüll entsorgen lassen.

2015 untersagt die Bundeswehr Landwirten, die ehemalige Flugplatzflächen bewirtschaften, die Ernte als Futtermittel zu verwenden. Das gilt bis heute.

(Foto: Günther Reger)

Seit den Siebzigerjahren haben Bundeswehrfeuerwehren den Löschschaum in Übungen und Einsätzen verwendet. Seit 2011 ist darin aber der giftige Stoff nicht mehr enthalten. Nach Einschätzung der Bundeswehr besteht "keine Gefahr für Leib und Leben". Große Zweifel daran, dass die als gesundheitsgefährdend eingestuften Chemikalien auch bei der Fürstenfeldbrucker Fliegerhorstfeuerwehr eingesetzt worden sind, gibt es nicht. Vor drei Jahren habe es einen entsprechenden Hinweis an alle Bundeswehrflughäfen gegeben, sagt Herwig Bahner, Chef des in Fürstenfeldbruck ansässigen Dienstleistungszentrums der Bundeswehr und Stadtrat der FDP. Auswirkungen hat das aber nur für Landwirte, die beispielsweise Wiesen mähen. Das Schnittgut darf nicht als Futtermittel verwendet werden, das gilt bis heute. Aktuell ist nichts bekannt über geplante Boden- oder Grundwasseruntersuchungen. In Maisach heißt es, man sei wegen der Fließrichtung des Grundwassers nicht betroffen - und verweist an das am Landratsamt angesiedelte Gesundheitsamt. Dieses sowie das zuständige Wasserwirtschaftsamt weisen darauf hin, dass es keinen Trinkwasserbrunnen in dem Bereich und dementsprechend auch keine Messergebnisse gibt. Ergo: Könnte sein, dass sich alles längst verflüchtigt hat. Oder auch nicht. Es kann schlicht niemand sagen.

In Fürstenfeldbruck endete der reguläre Flugbetrieb des Jagdbombergeschwaders 49 bereits 1994, der reguläre militärische Flugbetrieb 1997. Kleine zivile Sportflugzeuge starteten und landeten noch bis Ende 2015, dann war auch damit Schluss.

Die Flughafenfeuerwehr blieb zunächst im Dienst, schrumpfte allerdings. Sie hatte Einsätze und löschte, so etwa einen Schwelbrand in der Offizierschule im August 2014. Da allerdings war der giftige Schaum bereits ersetzt durch eine weniger bedenkliche Variante.