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Mitten in Olching:Auf Pfadfinder ist Verlass

In den kommenden Wochen werden viele zum ersten Mal lernen, was Verzicht ist. Gut, dass es wenigestens eine krisenfeste Konstante gibt

Kolumne von Christian Hufnagel

Wer ihn bis jetzt immer noch nicht gelernt hat, kommt nun an ihm garantiert nicht mehr vorbei: Verzicht, der über eine Erfahrung nach der anderen vielleicht sogar zur Lebenseinstellung abmagert. Diese dürren Zeiten setzen das Gewohnte wie erst recht das Gewünschte auf absolute Diät. Hungerwochen erwarten etwa all jene, die ihre Gefühle zum Ende des Jahres hin an allem mästen, was der Advent so an emotionaler Nahrung für sie gewöhnlich bereit enthält. Aber Corona macht daraus eine Entzugskur, eine Absage und damit Entbehrung folgt der nächsten.

Weihnachtsmärkte mit Glühwein-Mandel-Duft und kunsthandwerklichen Liebeleien wird es in keinem Ort im Landkreis geben. Allein die Absagen muten wie Dramen an: Bis zuletzt sei die Hoffnung groß gewesen, schreibt beispielhaft der Kulturreferent, aber die Infektionszahlen und verschärften Maßnahmen hätten keine andere Entscheidung zugelassen: Auch in Moorenweis findet kein Adventsmarkt statt, so wenig wie der "Weihnachtszauber" in Maisach. Und beide Veranstalter lenken das Augenmerk auf jene, die darunter besonders leiden: In Moorenweis Vereine und Einrichtungen, die mit Verkaufsständen vertreten gewesen wären, weshalb der Kulturreferent zum Spenden für sie aufruft. In Maisach Künstler und Kunsthandwerker, die ihren Lebensunterhalt mit solchen Veranstaltungen bestreiten würden. Für sie sucht die Organisatorin nun einen "Pop-up Laden" im Landkreis.

Aber zum Glück muss nicht auf alles verzichtet werden. Der Lichterglanz etwa, der wird sich in Fürstenfeldbruck pünktlich zum 1. Advent anschalten. 110 Weihnachtssterne und insgesamt 3000 Birnen hängen Mitarbeiter der Stadtwerke derzeit über den Straßen auf, fünf Nächte brauchen sie dafür. Und ganz weit geblickt, über Heiligabend und das neue Jahr hinaus, bleibt eine Tradition dann doch erhalten. Die Olchinger Pfadfinder teilen schon heute mit, dass sie ihre Christbaumaktion "durchführen können". Sie würden aber diesmal nicht an den Haustüren klingeln, schreiben sie: "Stattdessen soll der Baum einfach an die Straße gestellt werden, und wir holen ihn dann ab." Das sollte doch machbar sein, damit man sich wenigstens bei diesem Brauch nicht in Verzicht üben muss.

© SZ vom 27.11.2020
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