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Mitten in Germering:Traumwelt,  juristisch geprüft

Die Kita an der Alfons-Baumann-Straße darf ganz offiziell "Nimmerland" heißen

Kolumne von Andreas Ostermeier

Dass Kinder möglichst lange Kinder bleiben dürfen und spielen können, das wünschen sich viele Eltern und erwarten es vom Konzept einer Kinderbetreuung. Und auch Buben und Mädchen mögen es, lange und ungestört spielen zu können. Zum Essen gerufen zu werden, das gefällt ihnen dann gar nicht. Und ganz schlimm ist es, ins Bett geschickt zu werden. In Peter Pans Nimmerland gibt es kein Zu-Bett-gehen-müssen, Träume sind dort nicht ans Schlafen gebunden, sie gehören zum Wachsein.

So eine Peter-Pan-Insel möchten auch Erzieherinnen in Germering schaffen. Die bislang sehr prosaisch benannte Kindertagesstätte an der Alfons-Baumann-Straße wird auf ihren Wunsch hin deshalb künftig "Nimmerland" heißen. Die Pädagoginnen haben sich dazu von dem Film: "Wenn die Träume fliegen lernen", inspirieren lassen, erzählte Leiterin Lolita Lamping den Stadträten. In dem Film geht es um den Autor von Peter Pan, James Matthew Barrie, und wie er zu dem Stoff für sein weltberühmtes Buch kam. Jonny Depp, der in diesem Film den Autor von Peter Pan spielt, sagt an einer Stelle, man solle Kinder niemals ins Bett schicken, denn wenn sie aufwachten, seien sie einen Tag älter und irgendwann sogar erwachsen.

Nun muss niemand befürchten, dass Schlaflosigkeit zum Konzept der Erzieherinnen in der städtischen Kita mit dem Namen Nimmerland gehört, doch das Spielen und Leben in Traumwelten ist durchaus erwünscht. Deshalb haben die Erzieherinnen die Einrichtung auch umgestaltet und Räume fürs Forschen und Kreativsein eingerichtet.

Doch damit die Traumwelt ihren Namen erhalten kann, mussten Mitarbeiter der Stadt jenseits aller Fantasie ganz trockene Verwaltungsarbeit leisten. Es galt abzuklären, ob der Name "Nimmerland" markenrechtlich geschützt ist. Die Stadt Germering hat vor Jahren schlechte Erfahrungen mit der Benennung einer Jugendeinrichtung gemacht und wollte verhindern, dass wegen der Bezeichnung der Rechtsanwalt anruft. Nun hat die Stadt es schriftlich: Der Name ist frei, die Fantasiewelt ist rechtlich in Ordnung.

© SZ vom 14.07.2020
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