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Mitten in Germering:Abhärtung für bloße Füße

Am Germeringer See, direkt neben der Kneipp-Anlage, soll schon bald ein Barfußpfad entstehen. Einge Lokalpolitiker machen sich allerdings Sorgen um die Füße ihrer Einwohner

Von Andreas Ostermeier

Barfußlaufen ist in Mode. Orthopäden empfehlen es Kindern ebenso wie Erwachsenen. Es soll den vom dauernden Schuhetragen malträtierten Füßen helfen und Krankheiten vorbeugen. Deshalb soll man die Schuhe ausziehen, wo immer möglich. Und für den Weg nach draußen gibt es Barfußschuhe, die jede Zehe extra umhüllen wie ein Handschuh. Außerdem macht einer, der sich auf bloßen Füßen bewegt, Sinneseindrücke, die mit Schuhen nicht möglich sind. Das merkt man, wenn man durch feuchtes Gras streift, einen Sandstrand entlangjoggt oder über Ufer mit Kieselsteine steigen muss, um in einem See baden zu können.

Auch im Germeringer Stadtrat hat das Barfußlaufen offensichtlich viele Anhänger. Die ehemalige CSU-Fraktionssprecherin Claudia Wiedemann sprach von der "Freiheit der Füße" und lobte die gesundheitsfördernden Auswirkungen des Barfußlaufens auf Muskeln, Gelenke, Kreislauf und Immunsystem. Ihren Antrag auf einen Pfad, der Barfußläufern Erlebnisse mit dem Gehen auf Untergründen aus Holz, Stein oder Kork bietet, greifen die Lokalpolitiker jetzt auf. Noch in diesem Jahr soll am Germeringer See ein Barfußpfad eingerichtet werden, gleich neben der Kneipp-Anlage.

Das passt nicht nur deshalb gut, weil Besucher der Kneipp-Anlage sowieso barfuß laufen, sondern auch weil der Pfarrer Kneipp ein großer Anhänger des Laufens auf nackter Sohle war. Was dort, am nordöstlichen Ufer des Sees allerdings nicht so gut zum Barfußlaufen passt, sind die Grillplätze. Einige Stadträte befürchten nun, dass die Benutzer des Pfades in diesem auch Materialien finden werden, die nicht hineingehören, Glasscherben etwa, andere, dass dem Pfad bald Material fehlen wird, weil die Griller mit Holzbohlen, Hackschnitzeln oder Fichtenzapfen ihre Feuer schüren.

Aber vielleicht wäre dies das Besondere am Germeringer Barfußpfad. Dass die Materialien wechseln und dass die Nutzer vor dem Ausziehen der Schuhe nicht wissen, was sie erwartet. Neben den Scherben leerer Getränkeflaschen könnte dies auch Grillkohle sein, die noch glüht. Über die zu laufen, ist für Barfuß-Fans die Königsdisziplin. Zu Kneipp würde das passen, denn der lobte das Barfußlaufen als "natürlichstes und einfachstes Abhärtungsmittel".

© SZ vom 18.06.2016
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