Mitten in Fürstenfeldbruck:Sommerfrischler und Zombies

Nicht immer bedarf es einer Gästeführung, um etwas über die Stadt zu erfahren

Kolumne von Erich C. Setzwein

Lange genug hat man warten müssen auf die kulturellen Ereignisse, auf die Besuche in den Museen, auf die Vernissagen, auf Theater und Kino - und auf die Stadtführungen. Wie, wenn nicht durch kundige Einheimische, würde man sich in einer Stadt und seiner Geschichte zurechtfinden, wenn nicht bei Führungen? Anmeldung im Tourismusbüro, dann zum Treffpunkt, und los geht's. Ob das nun in der Gemeinde Maisach ist oder in der Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck - alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sich an die Tour erinnern. Und wenn nicht an alles, so doch an die ein oder andere Anekdote oder einen Einkehrtipp.

In Fürstenfeldbruck wird am Wochenende an jene frühen Bruck-Touristen erinnert, die seinerzeit noch in die "Sommerfrische" fuhren. Knappe 20 Kilometer vor der damals schon großen Regierungshauptstadt des Königreichs Bayern gelegen, war es für die Münchner im wahrsten Wortsinne "erfrischend". Bruck war weitaus gemütlicher, gemächlicher, erträglicher, und das Brucker Bier war mindestens genauso gut wie der Gerstensaft in München. Solche historischen Führungen sind denn auch nicht nur den Touristen vorbehalten, sondern sicher auch für Einheimische oder Zugezogene interessant, weil sie dort viel darüber erfahren, wo sie eigentlich "dahoam" sind.

Wer ohne Führung, aber mit wachen Sinnen durch die Stadt streift, bekommt als Nicht-Brucker einiges mit, was den Teilnehmern einer offiziellen Stadtführung sicher verborgen bleiben wird. Das mit der Amper etwa. Denn die, sagt ein sicher gut unterrichteter Einheimischer beim Mittagstisch im Stadtzentrum, werde in 20 bis 30 Jahren ausgetrocknet sein. Nicht mehr da, kein Wasser mehr. Das lässt natürlich aufhorchen, und so kommen dann weitere Details über ein Bruck zu Tage, das man bislang so nicht kannte. "Hinterm Rewe darfst nachts nicht auf der Straße sein", heißt es nun lapidar am Nebentisch, und gemeint ist die Gegend mit den Geschosswohnungsbauten. Weswegen dort noch keine Stadtführungen angeboten werden, wird klar im nächsten Satz: "Da wohnen die Zombies."

© SZ vom 30.07.2021
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