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Mitten in Fürstenfeldbruck:Rekordverdächtiger Ausgleich

Die Kreisstadt ist absoluter Spitzenreiter in Oberbayern. Allerdings in einer Kategorie, mit der man sich nicht gerne schmückt

Glosse von Stefan Salger

Städte und Gemeinde sonnen sich gerne im Licht von Rekorden. Das geht klar, wenn es um sportliche Höchstleistungen geht. Da ehrt auch die Kreisstadt gerne ihre Spitzenathleten - so wie 2019 Regina Haas, die vor gut zwei Jahren in Finnland Weltmeisterin im Bankdrücken (Classic, Altersklasse zwei, bis 72 Kilogramm) wurde - und das auch noch mit neuem Weltrekord!

Bisweilen offenbaren Rekorde in Disziplinen jenseits des Sports aber Schattenseiten. Sehen wir uns mal die Schlüsselzuweisungen an - Grünen-Fraktionssprecher Jan Halbauer zitierte da letztens am Rande der Haushaltsberatungen aus einer Aufstellung des statistischen Landesamts. Dieser zufolge ist Fürstenfeldbruck bei den kreisangehörigen Städten und Gemeinden im laufenden Jahr der oberbayerische Meistertitel nicht zu nehmen. Und das, obwohl das Topniveau des Vorjahres von gut 9,9 Millionen Euro nicht mehr gestemmt werden kann. 2021 werden also 7,9 Millionen Euro ins Stadtsäckel sprudeln. Im Landkreisranking bleibt Germering mit 5,4 Millionen Euro nur die Silbermedaille. In ganz Oberbayern erringt Garmisch-Partenkirchen mit etwas mehr als sieben Millionen Euro den Titel des Vizemeisters. Im Landkreis tragen Alling, Maisach und Puchheim die rote Laterne - sie gehen ganz leer aus.

Nun zum Wermutstropfen: Die Schlüsselzuweisungen fallen, grob gesagt, umso höher aus, je schwächer eine Stadt oder Gemeinde - in Relation zu den Mitbewerbern - dasteht. Denn bei den Zahlungen handelt es sich um ein Mittel des kommunalen Finanzausgleichs. Jene mit den breiteren Schultern bekommen weniger, die mit den schmalen Schultern mehr. So gesehen erscheint Fürstenfeldbruck, was die eigene Finanzkraft angeht, nunja, ein bisschen schwach auf der Brust.

Ein schlechtes Gewissen müsse man deshalb aber ganz sicher nicht haben, betont Brucks Finanzmanagerin Susanne Moroff. Langfristig würde es wohl helfen, mehr Gewerbe anzusiedeln, um damit mehr Steuereinnahmen zu generieren. Mehr Gewerbe kann freilich ebenfalls Schattenseiten haben, wie etwa mehr Lärm und Verkehr. In den nächsten Jahren werden die Schlüsselzuweisungen für die Kreisstadt übrigens so oder so wohl deutlich sinken. Nicht weil Bruck plötzlich vor Steuerkraft nicht mehr laufen könnte, sondern weil die einst breiten Schultern der traditionell muskelbepackten Landeshauptstadt sichtlich schmäler werden. Es ist halt alles relativ. Und wen auch das nicht überzeugt, der möge sich an den Spruch des früheren Berliner Oberbürgermeisters Klaus Wowereit erinnern. Seine Stadt sei, so sagte dieser, "arm, aber sexy".

© SZ vom 26.01.2021
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