Mitten in Fürstenfeldbruck:Impftypen und andere

Zu Beginn des Impfens wurde die Nase gerümpft über die Vordrängler. Nun ist der Impfmüde in die Kritik geraten. Ein bekanntes Beispiel regt Kreispolitiker auf

Glosse von Heike A. Batzer

Die Impfung gegen das Corona-Virus hat neue Menschentypen hervorgebracht. Den Impfvordrängler zum Beispiel. Der ging in der ersten Jahreshälfte mancherorts mit schlechtem Beispiel voran und holte sich die Spritze vor allen anderen ab, obwohl ihn eine vereinbarte Reihenfolge eben noch nicht an der Reihe sah.

So schnell er kam, so schnell verschwand der Vordrängler wieder. Denn es gibt kein Gedränge mehr, im Gegenteil. Jetzt, wo reichlich Impfstoff vorhanden ist, fehlen die Impfkandidaten, und das zeitliche Zusammentreffen beider Phänomene ist irgendwie kurios, aber das ist eine andere Geschichte. Entstanden ist nunmehr ein neuer Typ, der Impfmüde. Was ihn antreibt, weiß man nicht so genau, vielleicht ist es ja nur eine neue Art der Priorisierung: erst der Urlaub, dann die Impfung.

Dennoch wird da und dort überlegt, wie man die Gruppe der Impfwilligen wieder vergrößern kann. Und weil es die Menschen offenbar schätzen, wenn es unkomplizierter und spontaner zugeht, braucht man nun für das Impfzentrum keine Termine mehr. Auch bekannte Gesichter aus Politik, Sport und Öffentlichkeit eignen sich als Impfbotschafter - oder in speziellen Fällen auch als Nichtvorbilder. "Einer mit höherem Amt, der eine politische Show abzieht", setzte deshalb Andreas Magg, SPD-Kreisrat und Bürgermeister der Stadt Olching, jüngst im Kreistag zur Schimpftirade an: "Man muss sich schämen." Als die Corona-Pandemie los gegangen sei, da habe dieser Mensch noch behauptet, das beste Mittel dagegen sei Starkbier: "Das ist unmöglich!"

Nicht einmal den Namen von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der sich nicht impfen lassen will, nahm Magg in den Mund. FW-Kreisrat Gottfried Obermair sah sich trotzdem zu einer kleinen Replik veranlasst, flunkerte erst, nicht zu wissen, wer gemeint sein könnte und verwies dann auf sein eigenes Beispiel: Er sei auch von den Freien Wählern, seit vier Wochen zum zweiten Mal geimpft, "und ich mache überall Werbung dafür".

© SZ vom 21.07.2021
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