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Mitten in Fürstenfeldbruck:Freifahrtschein fürs Altstadtfest

Wer in Bruck feiern will, muss sich auch ablichten lassen. Datenschutz? Kein Problem für die Stadt

Wie wichtig Datenschutz ist, zeigt sich immer dann, wenn mal wieder Missbrauch in größerem Maßstab bekannt wird. Wenn mal wieder die Spitze des Eisbergs auftaucht, wenn also zum Beispiel deutlich wird, welche Datenkraken Facebook, Google und Co. sind und dass die sozialen Medien zwar auf den ersten Blick kostenlos sind, die Konzerne sich aber die Kundendaten vergolden lassen und so ordentlich Reibach machen.

Für Medienunternehmen wie Zeitungen wird der an sich lobenswerte Eingriff durch den Gesetzgeber, wie er seit einem Jahr in Form der EU-weiten Datenschutz-Grundverordnung und mit der wunderbar leicht zu merkenden Abkürzung DSGVO in Kraft getreten ist, gleichwohl zum Problem. Vor allem haben sie damit zu kämpfen, dass die Menschen viel sensibler sind als früher. So mussten die Pressefotografen früher gar nicht lange fragen, ob sie auf Versammlungen oder bei Schulfeiern Bilder machen durften. Das war ja völlig normal.

Heute nimmt mancher Fotograf Menschen im Zweifelsfall lieber von hinten auf, weil er oft nicht jeden Einzelnen ausdrücklich um seine Einwilligung bitten kann. Dass Gymnasien mal so eben locker die Namen aller erfolgreichen Abiturienten mitteilen - das war so etwas wie die "gute alte Zeit". Heutzutage sind viele übervorsichtig und zögern, wenn sie nach dem Namen gefragt werden. Könnte ja ein Shitstorm in den allgegenwärtigen Sozialen Medien über sie hereinbrechen.

Auf Nummer sicher gehen wollen deshalb auch Kommunen und Behörden. Jüngstes Beispiel: Die Kreisstadt Fürstenfeldbruck hat noch bis Sonntagabend zum Altstadtfest eingeladen. Tolle Sache, umfangreiches Programm. "Drei Tage Party in Brucks guter Stube" wird da verkündet. Die entsprechende Mitteilung enthält aber auch "weitere wichtige Hinweise", mit denen sich die Stadt absichern will. Es würden Fotos gemacht und Videos aufgenommen, heißt es da. Einige davon will die Stadt veröffentlichen, im Rathausreport sowie auf der Homepage und auf der städtischen Facebook-Seite. Einzeln fragen kann man Tausende Gäste nicht. Deshalb will man auf andere Weise zu einer Art Freifahrtschein kommen: "Mit dem Betreten des Veranstaltungsgeländes erfolgt die Einwilligung zur (unentgeltlichen) Veröffentlichung ohne einer ausdrücklichen Erklärung der abgebildeten Person."

Schon irgendwie seltsam, dass so was offenbar notwendig ist. Klammheimlich träumt man davon, dass Lokalzeitungen ähnlich verfahren könnten: "Mit dem Betreten des Landkreises ..."