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Mein Tag:Windeln wechseln im Home-Office

Birgit Zeidner-Röhr widmet sich im Online-Elterntalk einem aktuellen Thema

"Es soll kein Beschwerdeforum, es soll ein Austauschforum sein", sagt Birgit Zeidner-Röhr. Seit fünf Jahren engagiert sich die diplomierte Musiklehrerin und Heilpraktikerin eingeschränkt Psychotherapien aus Puchheim jetzt schon bei "Elterntalk" - einer Plattform, die vor etwa zehn Jahren von der Aktion Jugendschutz ins Leben gerufen wurde - um Eltern eine Möglichkeit zu bieten, sich über Erziehungsfragen auszutauschen. Wie kann ich meinem Kind zu einem sinnvollen Umgang mit dem Smartphone verhelfen? Was kann ich tun, wenn mein Kind zu lange vor dem Fernseher sitzt? Wie kann ich es vor Alkohol und Drogen schützen? Zeidner-Röhr, selbst Mutter von vier Kindern, ist nun seit 2014 mit dabei und leitet als geschulte Moderatorin die Diskussionsrunden, in denen es meist um genau solche oder ähnliche Fragen geht. "Die Idee ist, dass Eltern in allen möglichen Fragen der Erziehung untereinander ins Gespräch kommen und Erfahrungen teilen", sagt Zeidner-Röhr, "schließlich ist geteiltes Leid bekanntlich immer halbes Leid."

Vor Beginn der Corona-Krise fanden die Diskussionsrunden meist in den Familienzentren in Puchheim, Germering und Fürstenfeldbruck statt oder zu Hause bei einer der Mütter, die laut Zeidner-Röhr auch heute noch die Haupttragenden in Erziehungsfragen sind. Vor dem Hintergrund der geltenden Ausgangsbeschränkungen habe man sich eine Alternative überlegen müssen. So findet die nächste Diskussionsrunde an diesem Dienstag nicht wie gewohnt am Wohnzimmertisch, sondern online auf der Meetingapp "Zoom" statt, die Zeidner-Röhr in der Vergangenheit als "leicht zugängliches Medium" kennengelernt hat.

Im ersten Online-Meeting von Elterntalk soll es um die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Home-Office gehen, oder, um es mit den Worten von Zeidner-Röhr zu sagen, "wie man als Elternteil den Spagat zwischen Windeln wechseln und Home-Office bewältigen kann." Für sie selbst, deren Kinder sich mittlerweile selbst beschäftigen könnten, sei Windel wechseln zwar kein Thema mehr, Zeidner-Röhr weiß aber, dass das nicht bei allen Familien der Fall ist: "Es gibt Familien, wo gerade beide Elternteile arbeiten und zu Hause einen Schichtdienst ausmachen müssen, um abwechselnd die Kinder zu betreuen. Das ist nicht immer so einfach."

Wie bei jedem anderen Treffen bisher, soll es auch in diesem Meeting in erster Linie darum gehen, Lösungen für die Herausforderungen der Elternschaft zu finden. Zeidner-Röhr weiß aus eigener Erfahrung, dass allein schon Gespräche hier eine entlastende Wirkung haben können. Als sie im Jahr 2014 bei Elterntalk andockte, habe ihre damals 13-jährige Tochter ihr erstes Smartphone bekommen: "Plötzlich war ich damit konfrontiert, dass meinem Kind eine grenzenlose Freiheit mit den Medien gegeben wurde, die mich geängstigt hat." Allein die Möglichkeit zu haben, bei Elterntalk ihre Sorgen loszuwerden, habe ihr geholfen, besser mit der Situation umzugehen. Diese Möglichkeit möchte sie nun auch anderen Eltern bieten - trotz Corona-Pandemie.

© SZ vom 21.04.2020

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