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Mein Tag:Begleiter durchs Leben

Klaus Holub hat sein Berufsleben und seine Freizeit der Arbeit der Standesbeamten gewidmet.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Germeringer Klaus Holub akzeptiert als Antwort nur ein "Ja". Schließlich ist er Standesbeamter

Von Andreas Ostermeier

Es gibt Berufe, die sind berühmt für Sätze. Der Beruf des Standesbeamten ist so einer. Jeder kennt die Frage danach, ob man den Partner zum Mann oder die Partnerin zur Frau nehmen möchte. Standesbeamte stellen diese Frage täglich. Doch obwohl sie durch die Eheschließungsformel bekannt ist, bildet diese nicht das Zentrum der Arbeit eines Standesbeamten, sondern steht erst am Ende. Die eigentliche Arbeit kommt davor, wenn es darum geht, ob zwei Menschen überhaupt heiraten dürfen. Klaus Holub (Foto: Carmen Voxbrunner) weiß das genau. Der 65 Jahre alte Germeringer hat sein Berufsleben und seine Freizeit der Arbeit der Standesbeamten gewidmet. Deswegen wird er an diesem Donnerstag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Auch wenn man den Standesbeamten landläufig nur mit der Hochzeit verbindet, der Standesbeamte "begleitet einen das ganze Leben", sagt Holub. Denn er beurkundet nicht nur die Eheschließung, sondern auch Geburt und Tod oder Nationalität und Wohnort. Was er in ein Dokument schreibt, das gilt und hat viele Auswirkungen. So kann vom Geburtsort die Staatsangehörigkeit abhängen und damit auch das Wahlrecht. Ob die Eltern eine Heiratsurkunde vorlegen können, das hat Auswirkungen auf den Namen eines Neugeborenen. Liegt eine Sterbeurkunde vor, können Nachkommen eines Verstorbenen ein Erbe antreten, fehlt dieses Papier, kann kein Testament vollstreckt werden.

Die Arbeit eines Standesbeamten hat also weitreichende Auswirkungen. Deshalb verlangt der Staat von diesen Bediensteten, dass sie sich kontinuierlich fortbilden. Klaus Holub organisiert die geforderten Fortbildungen. Seit mehr als 20 Jahren ist er Vorsitzender des Fachverbandes der bayerischen Standesbeamten und kümmert sich auch nach der Pensionierung um die Akademie, an der die Standesbeamten lernen, wie sie mit kniffligen Fällen umgehen. Als Lehrbeispiel nennt Holub den Fall einer Frau, die nach Deutschland geflohen ist, keine Papiere vorlegen kann und ein Kind bekommt. Welchen Namen bekommt das Kind? Welche Nationalität? Um solche Fragen klären zu können, muss der Standesbeamte erst einmal klären, wie die Mutter heißt, woher sie stammt und ob sie verheiratet ist. Vor allem wegen der vielen Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Rechtssystemen werde die Arbeit schwieriger, sagt Holub.

Der Germeringer hat selbst mehrere Jahrzehnte in Standesämtern der Landeshauptstadt München gearbeitet, ehe er erster Leiter des zentralen Standesamtes wurde. Vor fünf Jahren half Holub mit, die Ehevoraussetzungen von drei bayerischen Männern und drei sächsischen Frauen zu prüfen, die am Ende der Jubiläumswiesn 2010 heirateten. Oberbürgermeister Christian Ude vollzog die Zeremonie öffentlichkeitswirksam - schließlich sollte sie an den Ursprung des Oktoberfestes erinnern, an die Hochzeit des bayerischen Thronfolgers Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen. Holub selbst und seine Frau sind von einem Kollegen des Germeringers verheiratet worden. Im Standesamt an der Nymphenburger Straße. Der Kollege habe es "gut gemacht", erzählt Holub von der Zeremonie, bei der er die berühmte Frage mit einem Ja beantwortet hat.

© SZ vom 22.10.2015
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