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Mein Tag:Abschied vom "Fulltime-Job"

Gröbenzell: SZ im Dialog -  Cafe Schmelzers

Winfried Bauer.

(Foto: Johannes Simon)

Winfried Bauer aus Gröbenzell gibt Sozialdienst-Aufsichtsposten ab

Von Karl-Wilhelm Götte

Der Oekumenische Sozialdienst in Gröbenzell muss ohne Winfried Bauer auskommen. Nach 27 Jahren in führender Position als Aufsichtsratsvorsitzender ist er nun zurückgetreten und hinterlässt sicherlich eine große Lücke. "Es hat sich zeitlich als sehr aufwendig erwiesen", erklärt der ehemalige Rektor des Gröbenzeller Gymnasiums seinen Rückzug aus dem Aufsichtsgremium. Es sei eher ein Hauptjob gewesen. "Ich habe die Zeit für die Familie, meine Enkel und für meine Hobbys vermisst", so Bauer, der im Februar 75 Jahre alt wird. Zudem wolle er sich auch gesundheitlich schonen, hat er doch nach zwei Herzklappen-Operationen vor einigen Jahren immer noch Beschwerden.

Fast drei Jahrzehnte ehrenamtliche Tätigkeit für den Sozialdienst hat Bauer also hinter sich. Seit 1994 arbeitete er im Vorstand mit, zwei Jahre später wurde der gebürtige Unterfranke Vorsitzender des Vereins. 2017, nach der Umorganisation des Sozialdienstes, wechselte Bauer auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Doch beim Beaufsichtigen des geschäftsführenden Vorstandes blieb es nicht, immer wieder war seine Expertise gefragt.

Dass sich Winfried Bauer ein Leben lang für kranke, arme und schwächere Menschen eingesetzt hat, kommt nicht von ungefähr. Bereits direkt nach dem Abitur machte er ein Praktikum im Krankenhaus in Miltenberg, wo er aufgewachsen ist. Er schloss das Theologiestudium in Würzburg und von 1965 an in München mit Diplom ab. "Auch geprägt vom Elternhaus wollte ich Pfarrer werden", erzählt er. Das wurde er dann aber nicht, dafür sein älterer Bruder, der Weihbischof geworden ist. Winfried Bauer hängte ein Lehramtsstudium an und unterrichtete Religion, Deutsch und Sozialkunde. Seinen Doktortitel erwarb er in Germanistik. Nach 13 Jahren als Lehrer in Gauting bekam Bauer 1988 den Direktorenposten am renommierten Maxgymnasium in München. Eher selten wurde zu dieser Zeit ein Schulleiter mit 42 Jahre berufen. Am "Max" hatten einst Franz-Josef Strauß und Hans-Jochen Vogel ihr Abitur absolviert. "Aber auch Andreas Baader, der spätere RAF-Terrorist, war mal 1956 dort", so Bauer. Im Jahr 2000 übernahm er die Leitung des Gröbenzeller Gymnasiums. 2009 wurde er pensioniert, aber im Förderverein ist er bis heute tätig. Gleichzeitig kümmerte er sich um den 1971 gegründeten Sozialdienst, der inzwischen zu einem mittelständischen Betrieb avancierte. Die Einrichtung, die per Namensgebung bis heute von den beiden Kirchen getragen wird, ist ihm eine Herzensangelegenheit geworden. Gleichzeitig unternahm er mit der "Reisegruppe-Bauer" Reisen in alle Welt. "In Südafrika waren wir mit 42 Personen", erzählt Bauer.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Sozialdienstes verabschiedet er sich jetzt. Bauer wünscht sich als Nachfolger "einen jüngeren Pensionisten mit BWL-Kenntnissen", der Zeit erübrigen kann. Ein paar weitere Wünsche hat Bauer noch: Mehr Sozialwohnungen der Gemeinde für das Personal des Sozialdienstes und dass die "Hexe" zum Mehrgenerationenhaus umgebaut wird. Sollten die noch in Erfüllung gehen, dann könnte Bauer mit bestem Gewissen seinen geliebten Frankenwein genießen und mit seiner Frau Christa im Kirchenchor singen.

© SZ vom 11.01.2021
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