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Mariss Jansons in Germering:Die Warteprofis und der Dirigent

Stunden vor der Kartenvergabe für die öffentliche Probe des BR-Symphonieorchesters bringen sich die Klassik-Fans in Stellung. Sie werden nicht enttäuscht.

BR-Orchester

Mariss Jansons probt mit den BR-Symphonikern in der Germeringer Stadthalle.

(Foto: Günther Reger)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es hat niemand mit Schlafsack und Isomatte vor der Germeringer Stadthalle übernachtet, nur um auch ganz sicher an eine Einlasskarte für die öffentliche Probe des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks zu gelangen. Dennoch standen die ersten Interessenten für die 200 Freitickets am Donnerstag schon kurz nach acht Uhr im Foyer der Stadthalle, bestens ausgerüstet mit kleinen Klapphockern, ausreichend Lesestoff und einer Brotzeit im Handgepäck. "Ich war die Erste", sagt eine Frau aus Gröbenzell sichtlich gut gelaunt und in freudiger Erwartung des vierten und fünften Satzes der Auferstehungssymphonie von Gustav Mahler, die hier kurz nach zwölf Uhr erklingen werden. Auch den anderen, zumeist älteren Herrschaften, scheint die Prozedur des Wartens nicht fremd zu sein. "Ich habe schon vor der Staatsoper übernachtet, um Karten zu bekommen", sagt eine Frau, die aus München angereist ist. Die meisten haben von der öffentlichen Probe aus der Zeitung erfahren, die Wartezeit vertreiben sie sich mit Gesprächen - über Mozart in Bregenz und Wagner in Bayreuth.

Bis es so weit ist, dass der Münchner Stardirigent Mariss Jansons ans Pult treten und eine der großen Mahler-Symphonien dirigieren wird, werden allerdings noch einige Stunden vergehen. Erst von zehn Uhr an gibt es die begehrten Tickets an der Kasse, vor der die Warteschlange irgendwann bis auf den Vorplatz der Stadthalle reicht. "Wenn ich meine Einlasskarte habe", sagt die Gröbenzellerin, "werde ich mir das Warten bis zum Beginn der Probe mit Kaffeetrinken und einem Bummel durch Germering vertreiben." Für derartige Dinge hat die Stadthallenleiterin Medea Schmitt an diesem Vormittag keine Zeit. Es sind aufregende Tage, die sie gerade erlebt, mit einem riesigen Orchester von Weltruf und mehr als 100 Sängern im Haus. Seit Montag bereitet sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Germeringer Stadthalle auf eine Tour durch mehrere Städte in Europa vor, schon an diesem Freitagvormittag werden die Musiker in einem Flugzeug nach Saarbrücken sitzen, wo am Abend ein Auftritt bei den Musikfestspielen Saar ansteht. Nach den ersten drei Probentagen wirkt Schmitt ausgesprochen locker und gelöst, begrüßt hier einen Musiker und dort eine Solistin, die nach dem Eingang zur Garderobe fragt. "Für mich sind das gerade ganz wunderbare Momente hier", sagt Schmitt. "Ich glaube, wir haben das alles sehr gut hinbekommen."

Großen Spaß hat auch die 21-jährige Selina Tiedtke, die als Service-Leiterin im Stadthallen-Restaurant "Agua" arbeitet, das längst zur Kantine für die Künstler geworden ist. "Ich liebe diese Atmosphäre, wenn überall im Haus Musiker herumschwirren, ihre Instrumente stimmen und sich auf die Proben vorbereiten", sagt sie. Derweil hat sich auch die lange Schlange vor der Kasse wieder aufgelöst, niemand hat offenbar vergeblich auf Karten warten müssen. Und auch wenn Medea Schmitt zunächst noch etwas enttäuscht schien, dass sich nicht schon am frühen Morgen die Massen vor der Stadthalle drängten, ist sie nun doch sichtlich zufrieden. "Wir haben niemanden ohne Einlasskarten wegschicken müssen", sagt sie.