Lesung:Mythen aus dem Norden

Lesung: Bild des Nordens: Seen, Schnee und ein Rentier lassen den Betrachter sofort an Finnland denken.

Bild des Nordens: Seen, Schnee und ein Rentier lassen den Betrachter sofort an Finnland denken.

(Foto: imago)

Ingeborg Keil liest in der Stadtbibliothek Germering aus dem finnischen Nationalepos Kalevala vor

Von Kim Romagnoli

Einer Verkettung von Zufällen und Missverständnissen ist es geschuldet, dass Ingeborg Keil vor gut 30 Jahren völlig ungeplant einen finnischen Gastschüler bei sich aufnahm. Damals ahnte sie noch nichts von der lebenslänglichen Liebe zu dem skandinavischen Land, die sich daraus entwickeln würde. Lauri Viita, der Großvater des Jungen, war ein bekannter finnischer Dichter, dessen Werk: "Ein einzelner Weiser ist immer ein Narr", erstmals Keils Interesse an der finnischen Literatur weckte. Sie stürzte sich in die Thematik und hielt schließlich bei der Germeringer Frauen-Initiative einen Vortrag über das Buch "Die Sieben Brüder" von Aleksis Kivi - ein zur Zeit seiner Erscheinung äußerst kontroverses, sozialkritisches Werk. Die Veranstaltung stieß auf positive Resonanz und weckte bei den Teilnehmenden, aber auch bei Keil selbst, das Verlangen nach mehr. Sie erarbeitete sich einen Überblick über die Literatur Finnlands, übersetzte für private Zwecke Märchen ins Deutsche und hielt weitere Vorlesungen.

Den Gastschüler - ihr "viertes Kind" - musste sie zu ihrem Bedauern schließlich wieder in sein Heimatland zurückkehren lassen. Die Faszination für Finnland blieb jedoch und festigte sich durch dortige Aufenthalte. "Ich liebe dieses Land", sagt sie. "Die Landschaft und die tiefe Ruhe, die dort spürbar ist. Aber auch die Menschen, ihre Kultur - das Essen, die Literatur, die Musik und die Kunst." Seit Jahren ergattert Finnland die obersten Plätze in Statistiken über die "glücklichen Länder der Welt". Für Ingeborg Keil ist das keine Überraschung: "Ich vermute, es liegt an der Natur", erklärt sie.

"Aber auch am Umgang der Menschen untereinander." Plakate mit der Aufforderung Abstand zueinander zu halten, seien in Finnland während der Pandemie fast schon überflüssig gewesen. Man rücke sich dort ohnehin nicht zu sehr auf die Pelle. Es herrsche ein sehr respektvoller, wertschätzender Umgang zwischen den Einwohnern Finnlands, der zu viel Aufdringlichkeit verbiete. "Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dort zu leben", sagt Keil. Die finnische Sprache bringt sie sich mit ein wenig Unterstützung seit etwa 15 Jahren selbst bei. Kein Kinderspiel. "Finnisch hat nahezu keine Ähnlichkeiten mit anderen europäischen Sprachen. Die Grammatik ist komplex, die Vokabeln sind schwer zu lernen," sagt die pensionierte Gymnasiallehrerin für Deutsch, Englisch und Italienisch.

Lange Zeit war Keil Vorstand des Deutsch-Finnischen Clubs in Puchheim und organisierte mehrere Gruppenreisen nach Finnland. Während einer 36-stündigen Schiffsfahrt von Travemünde nach Helsinki las sie vor etwa 30 Jahren erstmals das finnische Nationalepos "Kalevala", das vergleichbar ist mit dem deutschen "Nibelungenlied". Wer sich mit dem Epos beschäftigt, erfährt darin viel über Mythen, Gedankengut und Legenden der Finnen. Keil packte die Begeisterung. Diese Faszination möchte sie mit anderen teilen: Am Sonntag liest Keil um 18 Uhr in der Stadtbibliothek aus der "Kalevala" vor, vermittelt Hintergrundinformationen zum Verständnis und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Die Veranstaltung wird von der Volkshochschule und der Stadtbibliothek organisiert. Aufgrund des begrenzten Platzangebots wird um Reservierungen gebeten, es sind jedoch in der Regel auch an der Abendkasse Karten erhältlich. Einlass ist von 17.30 Uhr an. Es gelten die Corona-Hygiene-Regeln für Live-Veranstaltung, die der Homepage der Stadtbibliothek entnommen werden können.

Kalevala, Sonntag, 31. Oktober, Stadtbibliothek, 18 Uhr, Platzreservierung: 089/89 41 9-8 00 oder stadtbibliothek@germering.bayern.de oder www.vhs-germering.de

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