Leserbrief:Darauf hat die Menschheit noch gewartet

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Die Meinung eines SZ-Lesers zu nachhaltigen Alternativen rund um das Weihnachtsfest.

"Alle Jahre der gleiche Baum", (24./25./26. Dezember)

Darauf hat die Menschheit gewartet, dass sogenannte Aktivisten (korrekt gegendert: AktivistInnen) ihren Mitmenschen erklären, wie am besten (sprich: ihrer Ideologie folgend) Weihnachten zu begehen ist. Sie blenden dabei in ihrem Sendungsbewusstsein aus, dass der Mehrheit sehr wohl die problematischen Zusammenhänge bewusst sind, die sie aber, warum auch immer, für den christlichen Höhepunkt des Jahres ein wenig in den Hintergrund stellen.

Es zeigen sich bei vorgeblich Klima-Bewegten oftmals die gleichen Verhaltensmuster: Nachdem sie kommerziell bisher aus dem Vollen geschöpft und zum Schaden für Mensch und Tier gelebt haben (Luisa: Langstreckenflüge, Köstner: Truthahnbraten), wollen sie nunmehr - als Geläuterte - den noch in Ahnungslosigkeit Wandelnden als Vorbild dienen für ein umweltfreundliches Verhalten.

Zum selbst gebauten Weihnachtsbaum ist zu sagen: Man stelle sich vor, dass Tausende die Wälder durchstreifen auf der Suche nach brauchbaren Ästen. Sind sie mit dem Auto angereist? Zertrampeln sie auf der Suche Bodenlebewesen? Verschrecken sie Wildtiere? Außerdem dürften meisten keine Oma haben, von denen sie (quecksilberhaltige?) Christbaumkugeln erben konnten, und es wäre interessant, herauszufinden, ob die Ökobilanz von Furoshiki-Tüchern denen von Geschenkpapier überlegen ist. Die wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenhänge sind gar nicht berücksichtigt: Totholz ist eine wertvolle Grundlage für Biodiversität, die Anzucht von Christbäumen bindet viel CO2 und bildet zudem ein wirtschaftliches Standbein für einheimische Landwirte, und so weiter.

Vollends bizarr wird es aber, wenn die Oma for Future empfiehlt, "beim Förster" nach Weihnachtsbäumen zu fragen, die beim Ausholzen anfallen, oder sich "beim Jäger" nach Wild zu erkundigen. Wie viele Zeitgenossen haben einen Förster oder einen Jäger zur Hand? Wohin wendet man sich, um einen solchen Mann seines Vertrauens kennen zu lernen? Fährt man dann wieder mit dem Auto in den Wald? Und wenn die Bewegte "neue Traditionen" begründen möchte, so ist ihr das unbenommen, aber sie sollte es bitte ihren Mitmenschen überlassen, ihre eigenen Traditionen zu begründen oder weiterhin zu pflegen. Karl Fäller, Germering

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