Kreiskulturtage Fürstenfeldbruck Ein Sommer für die Heimat

Die letzten Kreiskulturtage 2015 haben noch im Frühjahr stattgefunden. Heuer trauen sich die Organisatoren die veranstaltungsarme Zeit in den Sommerferien zu füllen.

(Foto: Günther Reger)

Die Kreiskulturtage beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem Wandel von Region und Identität. Die Organisatoren entscheiden sich bewusst, die Veranstaltungen in die Ferien zu legen

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Normalerweise sind die Sommerferien eine fast komplett kulturlose Zeit. Aus Sorge vor zu wenigen Besuchern schließen die Veranstalter ihre Tore und den Daheimgebliebenen bleibt nicht viel, außer im Biergarten oder am See zu hocken. Die Veranstalter der Kreiskulturtage aber gehen in diesem den mutigen Schritt und verlegen die komplette Veranstaltungsreihe in die Sommerferien. Vom 28. Juli bis zum 20. August gibt es so zumindest rund 20 Veranstaltungen, bei denen die Besucher ihren Kulturdurst stillen können.

Das Thema lautet dabei heuer "Heimat im Wandel - eine sommerliche Begegnung". Erstaunlich viel Veranstaltungen haben auch einen engen Bezug zu diesem Motto, was bei solchen Veranstaltungen ja oft anders ist. "Heimat ist ein Begriff, der in den letzten Jahren in der Vordergrund gerückt ist. Viele Menschen sind unterwegs und suchen eine neue Heimat. Außerdem bekommen die Deutschen wieder einen realistischen Zugang zu dem Begriff", sagt Christina Claus, die Kreiskulturreferentin. Durch die Globalisierung werde vieles gleich gemacht, Läden, Essen, Kleidung. Viele Menschen seien deshalb auf Identitätssuche. Diese Suche und den Wandel des Heimatbegriffs sichtbar zu machen, sei die Aufgabe von Kulturschaffenden, so Claus. Dass das Thema in der Region durchaus virulent ist, sieht man auch daran, dass die aktuell laufenden Kreiskulturtage im Nachbarlandkreis Landsberg unter dem Motto "Schnittstelle Heimat" stehen.

Gleich die erste Brucker Veranstaltung setzt sich intensiv mit dem Thema auseinander. Die Mitglieder des Lese- und Theaterclubs "Turmgeflüster" treffen sich bereits im Vorfeld des Termins am 28. Juli mit geflüchteten Jugendlichen. Dabei entstehen Collagen, Texte, Bilder und andere Objekte, in denen diese ihren Zugang zum Heimatfrage zeigen. Grenzen sind dabei keine gesetzt. Zu sehen sind die Werke dann von 17 Uhr an in der Brucker Stadtbibliothek in der Aumühle.

Menschen in ihrer Heimat zu helfen, hat sich die Pit-Togohilfe aus Maisach schon vor vielen Jahren zur Aufgabe zu gemacht. Anlässlich der Kulturtage möchte die Organisation am 28. Juli auf ihre Arbeit aufmerksam machen - mit einer Nacht der Fontänen im Brucker Veranstaltungsforum. Zu einer Wassershow mit Lichteffekten gibt es Musik vom Puchheimer Jugendkammerorchester und Tanz von den Schülern des Ballett-Instituts.

In Schöngeising hat vor allem ein Mann die kulturelle Heimat geprägt - und zwar schon vor 100 Jahren. Heinrich Scherer ist nach seinem Dienst als königlicher Kammervirtuose in die Gemeinde gekommen und hat dort unter anderem die erste Bläser-Gruppe gegründet. In seiner Tradition wurde dann 1986 die bis heute bestehende Big Band gegründet, die am 29. Juli von 19 Uhr an im Pfarrheim spielen wird, unter anderem von original Notenblättern Scherers.

Aus drei verschiedenen Richtungen nähert sich der Jexhof dem Thema. "Heimat - geht ins Ohr", heißt es am 4. August, von 20 Uhr an mit den Musikern von "Impro á la turka". Unter dem Titel "Heimat - geht durch den Magen" zeigen dann am 5. August von 18 Uhr an mehrere Köche, welche Gerichte sie mit dem Begriff verbinden. Einen Tag später heißt es dann "Heimat - geht in den Kopf". Statt um sentimentale Heimattümelei geht es dabei um Text mit aufklärerisch-progressiven Inhalten.

Ansonsten gibt es auch bei den anderen Veranstaltungen von Musik aus aller Welt und natürlich der Heimat über Landschaftsmalerei und Fotografie bis hin zu kleinen Festivals viel Kultur zu erleben.

Das komplette Programm gibt es unter www.lra-ffb.de, im Landratsamt und bei den Stadtverwaltungen sowie bei allen Beteiligten.