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Kommentar:Soziale Verantwortung

Beim Wohnungsbau ist ein Ausgleich zwischen privatem Gewinn und kommunalen Kosten vonnöten. Germering nimmt zu recht Bauherrn in die Pflicht

Die Preise für Grund und Boden steigen und steigen. Wer ein bebautes oder unbebautes Grundstück veräußert, erhält dafür einen weitaus größeren Betrag als noch vor wenigen Jahren. Wird das Grundstück bebaut, erwachsen den Kommunen aus der Bebauung und dem Einzug von Neubürgern etliche Aufgaben. Auch diese Aufgaben sind in den vergangenen Jahren mehr geworden. Privater Gewinn einerseits und kommunale Kosten andererseits wachsen also. Ein Ausgleich zwischen diesen beiden Entwicklungen ist vonnöten.

Deshalb tut Germering recht daran, von Bauherren mit großen Flächen künftig mehr zu verlangen, als die Bauvorschriften einzuhalten. Bei großen Vorhaben sollen 30 Prozent des Wohnraums zu Preisen vermietet werden, die sich auch Personen leisten können, die zu den Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen gehören. Eine solche Regelung wirkt sich nebenbei auch zu Gunsten der Kinder von Einwohnern aus, denn diese verdienen zu Beginn ihrer Berufslaufbahn oft nicht so viel Geld, um sich die hier üblichen Mieten oder Kaufpreise für Immobilien leisten zu können.

Außerdem sollen Investoren künftig auch einen Teil der sozialen Folgekosten finanzieren. 81,56 Euro pro Quadratmeter gebauter Fläche in sämtlichen Stockwerken eines neuen Gebäudes will Germering verlangen. Die krumme Zahl deutet nicht auf Willkür hin, sondern folgt im Gegenteil aus Berechnungen der Kosten für Schulen, Krippen und Kindergärten. Deshalb müssen sich Kritiker einer solchen Beteiligung an den Folgekosten auch keine Sorgen über eine aus der Luft gegriffene Summe machen. Die Kostenforderung an die Bauherren muss vor Gericht Bestand haben können. Darauf hat auch der die Stadt Germering beratende Rechtsanwalt hingewiesen.

Mit der Regelung leitet die Stadt einen Teil der Gewinne aus dem Immobilienmarkt in die kommunale Kasse um. Das ist richtig, denn es sind auch die Leistungen einer Kommune, die zur Lebensqualität beitragen. Außerdem macht Germering - wenigstens zum Teil - einen Fehler der städtischen Politik wieder gut, nämlich den Verkauf von etwa 300 Sozialwohnungen im Jahr 2005. Damals wurden, nicht nur in der Stadt Germering, die bezahlbaren Wohnungen hergegeben, die heute fehlen.