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Kommentar:Schallschutz für die Toten

Die Grünen in Eichenau wollen eine neue Form der Bestattung

Von Erich C. Setzwein

Am Ende des Lebens wird es noch einmal fürchterlich bürokratisch. Nicht für den, der dahingegangen ist, sondern für die, die ihm nachtrauern. Recht und Gesetz sind ziemlich unterschiedlich, wo man in Deutschland unter die Erde kommt. In Eichenau gilt das bayerische Recht, und das sieht nun einmal vor, dass niemand so bestattet werden darf, wie er das Licht erblickt hat. Frei und nackt und ohne Zwänge. Die Grünen in Eichenau, von denen man angenommen hat, dass sie Zwänge per se ablehnen, wollen neue Formen der Bestattung. Sie fordern zwar nicht, dass ein Leichnam, so wie er ist, in die nackte Erde gelegt wird, aber sie möchten schon, dass etwa die Asche eines Verstorbenen auch ohne Gefäß beigesetzt werden kann. Alles recht und schön und sicher auch nachgefragt von Menschen, die sich mit Sterben, Tod und Trauer beschäftigen.

Bei den Grünen bleibt es jedoch nicht beim diesem einen Wunsch , ihr umfangreicher Antrag gerät zu einem Rundumschlag. Ein Blick in die Protokolle hätte genügen müssen, um zu sehen, dass der Friedhof in den vergangenen Jahren zwar nicht an erster Stelle der Gemeinderatsagenda gestanden hat, seine Gestaltung und vor allem der Aus- und Umbau der Aussegnungshalle aber oft diskutiert wurde und zu hohen Ausgaben geführt hat.

Angesichts einer gefühlvollen Generalsanierung der Aussegnungshalle für die kommenden Jahrzehnte und dem stets raschen und behutsamen Ausbau des Eichenauer Friedhofes je nach den gerade in Mode gekommenen Bestattungsformen von einer "stiefmütterlichen" Behandlung zu sprechen, zeugt von wenig Überblick. Stattdessen wird sich spießig über die unterschiedliche Gestaltung der Wege und die einfache Ausführung von Wasserzapfstellen aufgeregt. Und dann fehle auch noch der Schallschutz, bemängelt die Fraktion und sorgt sich, dass man des Pfarrers Wort bei der Beerdigung nicht mehr versteht. Verstehe einer die Grünen, die, auch in Eichenau, einmal die waren, die Mauern einreißen wollten.

© SZ vom 21.12.2017
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