Kommentar:Mehr Argumente, weniger Schwurbelei

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Kommentar: Der "Montagsspaziergang" der Gegner der Corona-Maßnahmen stößt in Fürstenfeldbruck inzwischen auf Gegendemonstranten.

Der "Montagsspaziergang" der Gegner der Corona-Maßnahmen stößt in Fürstenfeldbruck inzwischen auf Gegendemonstranten.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

An der Pandemiepolitik gäbe es vieles auszusetzen. Doch die Maßnahmengegner flüchten sich zu häufig lieber in Verschwörungsideologien

von Peter Bierl

An der Corona-Politik der Bundes- und Landesregierungen gibt es vieles zu kritisieren, die Wankelmütigkeit, die unfassbare Untätigkeit in zwei Sommern, eine schwache Impfkampagne. Dass Milliardenhilfen an Konzerne fließen, während Sozialhilfeempfänger, Niedriglöhner und Obdachlose leer ausgehen. Dass die Lockdowns vor allem Selbständige, Einzelhändler, Gastwirte und Künstler geschädigt haben, während in Fabriken gearbeitet wurde und sich Leute schon auf dem Weg dorthin in Bussen und Zügen anstecken konnten.

Aber Impfgegner und Querdenker sprechen nicht reale Probleme an, sondern Hirngespinste. Sie schwadronieren über Diktatur, so dass man ihnen empfehlen möchte, nach Hongkong, Belarus oder Myanmar zu schauen, wo Demonstranten in Lagern enden, gefoltert und erschossen werden, während die Polizei sie freundlich durch Bruck eskortiert und ignoriert, dass Abstände nicht eingehalten werden. Warum auch, das Virus ist in den Augen dieser Leute ja harmlos oder eine Erfindung der jüdischen Weltverschwörung, und dass in der Kreisklinik das Personal bis zum Anschlag um das Leben von Corona-Patienten ringt, ist ihnen schnurzegal.

Deswegen ist es gut, dass endlich in Bruck Gegenkundgebungen stattfinden. Der Hass, der ihren Organisatoren entgegenschlägt, so wie längst schon den Journalisten, sollte jene beschämen, die die Querdenker-Szene verharmlosen und sich Leute schönreden, die nichts dabei finden, mit Hasspredigern und Verschwörungsideologen spazieren zu gehen. Bleibt zu hoffen, dass die Gegenkundgebung eine eigene Dynamik entwickelt.

Es reicht aber nicht, Schwurblern die rote Karte zu zeigen. Die Defizite staatlicher Politik müssen kritisiert werden. Das Gesundheitswesen zu privatisieren und auf Gewinn zu trimmen, war immer schon falsch, erwies sich jedoch in der Pandemie als fatal: Schlecht ausgestattete Gesundheitsämter, Test- und Impfzentren organisiert von Privatleuten, skandalöse Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Mehr Personal, höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten muss eine Parole lauten.

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