Kommentar:Gemeinsam auf neuen Wegen

Lesezeit: 1 min

Die Kirchen sind mit dem ökumenischen Kirchentag auf dem besten Weg, sich beim Dialog und Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit unverzichtbar zu machen

Von Stefan Salger

Die Kirche erreicht viele Menschen längst nicht mehr mit klassischen Angeboten wie Beichte oder Gottesdienst. Und bei Taufe, Kommunion, Konfirmation oder Hochzeit scheint sie häufig auf eine folkloristische Rolle und damit auf schmückendes Beiwerk beschränkt zu werden. Deshalb ist es richtig, dass die Kirchen nun vereint die ausgetretenen Pfade verlassen und mit neuen Ideen aktiv auf die Menschen zugehen. Der zwei Jahre nach dem Ökumenischen Kirchentag 2010 in München gegründete Brucker Christenrat, der ein breites Bündnis der Konfessionen vertritt, geht voran. Das ist wichtig, denn vor allem bei hohen katholischen Würdenträgern gibt es Bremser, wenn es um Themen wie eine liberal interpretierte Ökumene geht. Evangelische Pfarrer warten deshalb bis heute vergeblich auf Einladungen zur Eucharistiefeier.

Gleichwohl gibt es gute Ansätze. Das liegt daran, dass bei den entscheidenden Akteuren die Chemie stimmt. Das gilt vor allem für den als unkompliziert geltenden evangelischen Dekan Stefan Reimers und seinen katholischen Kollegen Albert Bauernfeind. Bauernfeind machte sich bereits einen Namen durch den offenen Umgang mit Themen wie Zölibat, Missbrauch in der katholischen Kirche und der Seelsorge für geschiedene Menschen. Die Osternacht wurde heuer erstmals gemeinsam von Gnadenkirche und Sankt Bernhard gefeiert, zudem gibt es längst Kooperationen bei Schul- oder Radfahrergottesdiensten.

Wohl noch wichtiger freilich ist es, dass die christlichen Kirchen sich auch den Muslime gegenüber betont gesprächsbereit zeigen. Dabei geht es nicht um Gleichmacherei, sondern um gegenseitigen Respekt. Über das sehr vielfältige und auch für Kirchenkritiker interessante philosophisch-künstlerische Programm des Kirchentags hinaus sind die Kirchen auf dem besten Weg, sich gerade beim Dialog und dem Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz in der Tat unverzichtbar zu machen.

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