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Kommentar:Gelegenheit genutzt

Die Betrugsfälle in der Erstaufnahmeeinrichtung Fürstenfeldbruck haben viel mit der Registrierung der Flüchtlinge zu tun

Von Erich C. Setzwein

Betrug ist eine Straftat, Betrüger gehören bestraft. Betrugsdelikte sind nach den Polizeistatistiken die zweithäufigsten Taten. Dass die Zahl dieser Deliktart so zunimmt, liegt nach Darstellung der Polizei vor allem am Internet, das versierte Betrüger weltweit dazu einlädt, andere übers Ohr zu hauen. Die Palette an Betrugsvarianten reicht dabei vom sogenannten Enkeltrick, bei dem Betrüger alten Menschen weismachen wollen, dass sie den bislang unbekannten Verwandten mit Geld unterstützen sollten, bis hin zu den Unternehmen, die ungerechtfertigt Subventionen einstreichen. Dass es nun auch im Zusammenhang mit der Taschengeldauszahlung in der Fürstenfeldbrucker Erstaufnahmeeinrichtung zu Betrugsfällen gekommen sein soll, muss also niemanden verwundern. Schon gar nicht sind genau diese 27 Fälle so außergewöhnlich, dass auf sie besonders verwiesen werden müsste. Denn es sind nun mal keine, die nur Asylbewerber begehen können.

Der alltägliche Sozialbetrug findet sicher nicht in den Asylunterkünften statt. Menschen, die in der Sozialverwaltung tätig waren oder es noch sind, wissen um die Versuche von einigen ihrer Kunden, möglichst viel an Sozialleistungen zu bekommen. Auch das massenhafte Anwerben von Menschen aus den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaten Rumänien und Bulgarien, sie mit Scheinarbeitsverträgen auszustatten, um Arbeitslosengeld kassieren zu können, ist Betrug und muss verfolgt werden.

Um einen Betrug begehen zu können, muss der Täter eine sichere Masche haben und es braucht ein Gegenüber, das sich beschwindeln lässt. Wie nun die Asylbewerber in Fürstenfeldbruck vorgegangen sind, welche Tricks sie drauf hatten und wie bei der Auszahlung die Mitarbeiter des Landratsamtes täuschen konnten, das werden wohl die Ermittlungen der Polizei ergeben. Es hat aber schon den Anschein, dass die, die es darauf angelegt haben, doppelt und dreifach zu kassieren, das behördlich-organisatorische Durcheinander als größte Schwachstelle erkannt und die Gelegenheit ganz geschickt ausgenutzt haben.

© SZ vom 08.09.2016
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