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Kommentar:Flickschusterei als Konzept

Auch der barrierefreie Umbau des Bahnhofs Buchenau passt ins Bild leerer Versprechungen

Von Peter Bierl

Der barrierefreie Umbau des S-Bahnhofs Buchenau ist vollendet, mit Rampen und Aufzügen, und das ist eine gute Nachricht für viele. Für behinderte und alte Menschen, für Familien mit Kinderwagen, für Reisende mit schwerem Gepäck oder Fahrrad. Der größte Dank gilt den Bauarbeitern, die einen guten Job gemacht haben, und im vergangenen Sommer bei sengender Hitze durchgehalten haben, wo in Zeiten des Klimawandels Auszeit und Entlohnung analog zum Schlechtwettergeld angemessen wären. Nicht zu vergessen sind der Brucker Behindertenbeirat, der jahrelang für diesen Umbau kämpfte und sich von vielen Absagen nicht entmutigen ließ, sowie das Brucker Verkehrsforum, das unermüdlich auf Fehler und Defizite in der Planung hinwies und manchen Patzer verhinderte.

Der größte Fehler ist jedoch das Bauwerk insgesamt. Immer wieder fordern einzelne Politiker der CSU und der SPD einen viergleisigen Ausbau der Strecke, etwa bis Grafrath oder gar Geltendorf. Das wäre der aktuellen Bedeutung der Strecke angemessen, ebenso den Erfordernissen einer Verkehrswende, die nur durch massiven Ausbau des Schienenverkehrs zu erreichen ist. Insofern ist der Umbau des Bahnhofs Buchenau in dieser Form ein Schildbürgerstreich, denn es ist kein Platz für ein viertes Gleis. Man müsste den halben Bahnhof wieder abreißen und neu bauen. Dafür wurde noch Geld verplempert, um den Mittelbahnsteig zu verkleinern, sodass eine Kante für Zughalte unbrauchbar gemacht wurde.

Es passt zum Gesamtbild. Auch neue Kapazitäten im Regional- und Fernverkehr, die zum Jahresende zur Verfügung stünden, wenn die Elektrifizierung nach Lindau endlich abgeschlossen wird, können wegen der Defizite auf der S 4 nicht voll genutzt werden. Verantwortlich dafür ist nicht die Bahn AG, sondern ihr Auftraggeber. Die CSU-Regierung samt zeitweiliger Koalitionspartner wie FDP und Freie Wähler hat seit Jahrzehnten kaum mehr als leere Versprechen, Ankündigungen, Alibiveranstaltungen und Flickschusterei geliefert. Ob es besser wird, bleibt abzuwarten.

© SZ vom 02.07.2020
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