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Kommentar:Es fehlt an kundigen Beratern

Das Projekt der Baywa-Tochter Combayn vertut die Chance, wirklich etwas zum Artenschutz beizutragen

Von Ingrid Hügenell

Gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht. Das Projekt der Baywa, potenzielle Blühpaten und Landwirte über die Plattform Combayn zusammenzubringen, zeigt das eindrucksvoll. Die Bauern sollen bunte Blumen säen. Dass eine solche Fläche länger als einen Sommer blühen darf, vielleicht sogar auf Dauer, ist nicht vorgesehen. Dass heimische, standortgerechte Mischungen ausgesät werden, nicht garantiert. Bauern, wie die Baywa-Sprecherin das tut, als "Experten" in Sachen Artenschutz zu bezeichnen, ist gewagt. Viele Landwirte wissen eben leider nicht, welche Pflanzen und Tiere hier heimisch sind. Gerade die Jüngeren kennen natürliche, artenreiche Wildwiesen ebenso wenig wie der Durchschnittsbürger. In ihrer Ausbildung lernen Landwirte, wie man Mais anbaut und Rinder versorgt, nicht aber, welche Vögel, Insekten und Säugetiere auf ihrem Land eigentlich vorkommen müssten, aber schon verschwunden sind, weil ihre Lebensräume vernichtet wurden.

So vertut das Projekt die große Chance, wirklich etwas zum Artenschutz beizutragen, selbst wenn eine nur wenige Monate blühende Fläche besser ist als ein intensiv bewirtschafteter Acker. Das ist schade, denn es wäre so viel mehr möglich, zöge man das Projekt fachlich richtig auf. So wirkt es wie ein Marketing-Coup. Die Paten verschaffen sich ein gutes Image samt gutem Gewissen, und die Baywa kann mehr von ihren Blühmischungen verkaufen. Das kann man auch "Greenwashing" nennen. Womöglich, nein wahrscheinlich, haben die Beteiligten sogar tatsächlich die Absicht, etwas für Wildbienen und Schmetterlinge zu tun. Die Ausführung ist jedoch nicht überzeugend.

Den Landwirten beschert das Projekt eine zusätzliche Einkommensquelle. Es ist zu begrüßen, wenn Bauern dafür bezahlt werden, dass sie die Artenvielfalt fördern. Damit das auch wirklich passiert, sollte sich die Baywa kundige Berater zulegen. Man findet sie etwa bei den Naturschutzverbänden. Firmen, die es ernst meinen, sollten sehr genau hinschauen. Und in die Ausbildung der Landwirte gehört unbedingt und dringend die Kenntnis der natürlich vorkommenden Arten hinein sowie die Kenntnis davon, wie man diese wirksam schützen kann.

© SZ vom 04.05.2021
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